Plastikgranulate können auch aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen anstelle von Erdöl

Plastik

Plastikrevolution: 5 innovative Ansätze für mehr Nachhaltigkeit

Seit 1964 hat sich die Produktion von Plastik verzwanzigfacht. Im Jahr 2021 wurden weltweit ca. 391 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, meist aus fossilen Rohstoffen. Daraus resultiert eine Bedrohung für unsere Ökosysteme – bisher. Denn das biologische Plastik-Zeitalter hat begonnen ...

Angesichts der Herausforderungen mit Kunststoffen – oder besser gesagt der Auswirkungen des bisherigen Rohstoffabbaus, der Produktion, Nutzung und Entsorgung – sind Innovationen im Bereich der Plastikindustrie dringend erforderlich. In diesem Artikel werden fünf spannende Ansätze vorgestellt, welche die Zukunft im Umgang mit Kunststoffen nachhaltig verändern könnten.

1. Biologisch abbaubare Kunststoffe: Ein vielversprechender Ansatz zur Reduzierung der Umweltauswirkungen von Kunststoffen ist die Entwicklung biologisch abbaubarer Polymere. Unternehmen wie Bio Futura setzen auf biobasierte Kunststoffe, die in der Natur abgebaut werden können, ohne schädliche Rückstände zu hinterlassen.

Nicht zwingend abbaubar, allerdings kreislauffähig und biobasiert sind die Biokunststoff-Compounds der Firma BIOVOX. Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sparen bis zu 85 % CO2 gegenüber fossilen Kunststoffen ein. Sie finden ihren Einsatz hauptsachlich im medizinischen Bereich, in dem häufig große Mengen von Einweg-Kunststoffen zum Einsatz kommen – und sie sind kreislauffähig. BIOVOX gewann den Titel Startup of the year bei „Frankfurt Forward“, einem Projekt der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Danke ihres „Bio-Wikis“ trägt die Firma auch zur Aufklärung bei. Das Versprechen: Die Rohstoffe stammen nicht aus Regenwäldern. Denn was viele nicht wissen: Natürliche Kunststoffe können aus Mais, Reis, Kartoffeln, Zuckerrohr bestehen oder eben aus Zellulose, die aus Bäumen oder Baumwolle gewonnen wird. Das klingt erstmal nachhaltiger als Erdöl. Doch häufig ist deren Herkunft unbekannt und vermutlich in Regenwald-Regionen zu verorten.

2. Pilzmyzelium-Verpackungen: Startups wie Ecovative Design verwenden Pilzmyzelium, das faserige Wurzelsystem von Pilzen, um Verpackungsmaterialien herzustellen. Diese innovative Technologie ist nicht nur biologisch abbaubar, sondern auch ressourcenschonend und hat das Potenzial, herkömmliche Verpackungsmaterialien zu ersetzen.
Auch das EU-geförderte Projekt FUNGUSCHAIN identifizierte Pilze als nachhaltige Ressource für zirkuläre Bioökonomie. Es entwickelte Formeln, die Biokunststoffe und Pilzreste (zusätzlich zu Additiven und Bioschmierstoffen) kombinieren. So wurde eine breite Palette von biologisch abbaubaren Produkten wie kompostierbare Mülltüten, Einkaufstüten oder Folien für den Agrarsektor entwickelt und hergestellt. Funfact: Aus den extrem fest verbundenen Myzelium-Fasern können zudem veganer Speck und Bausteine (für Häuser!) hergestellt werden.

3. Upcycling von Plastikmüll: Einige Unternehmen konzentrieren sich darauf, Plastikabfälle in wertvolle Produkte umzuwandeln. Das Projekt Precious Plastic ermöglicht beispielsweise die Umwandlung von Plastikabfällen in 3D-gedruckte Objekte, Möbel und sogar Kleidung, wodurch die Kreislaufwirtschaft gefördert wird.

Das Unternehmen WILDPLASTIC mit Sitz in Hamburg verarbeitet importierte Plastikabfälle von z. B. illegalen Deponien aus Indien, Ghana, Nigeria, Thailand, Indonesien oder Sierra Leone zu zirkulären Produkten. Es entstehen recycelbare Abfalltüten, für die kein Neuplastik produziert werden muss – und parallel wird sogar die Umwelt gesäubert.

4. Essbare Verpackungen: Innovative Startups und Unternehmen wie Notpla forschen vermehrt nach essbaren Verpackungen, die nicht nur den Verpackungsmüll reduzieren, sondern auch eine nachhaltige Lösung im Food-Bereich bieten. Diese Verpackungen können z. B. aus Algen, Eierschalen, Stärke oder Zellulose bestehen und ermöglichen den Genuss von Lebensmitteln ohne den Einsatz von herkömmlichen Verpackungsmaterialien.

5. Wasserlösliche Kunststoffe: Unternehmen wie z. B. MonoSol oder Lactips arbeiten an der Entwicklung von wasserlöslichen Kunststoffen, die sich – wie der Name schon sagt – in Wasser auflösen und somit das Problem der Verschmutzung von Gewässern durch Plastikabfälle angehen. Solche Materialien könnten in verschiedenen Anwendungen, von Einwegverpackungen bis hin zu medizinischen Geräten, eine Revolution darstellen. Bekannt sind viele bereits aus Produkten wie sich auflösenden Waschmittel-Pods.

Vor- und Nachteile des Bio-Plastiks

Während diese innovativen Ansätze vielversprechend sind, gibt es auch Vor- und Nachteile, die berücksichtigt werden müssen. Zu den Vorteilen zählen die Reduzierung von negativen Umweltauswirkungen, die Förderung der klimaschonenden Kreislaufwirtschaft und die Schaffung eines Marktes für nachhaltige Produkte.

Auf der anderen Seite stellen oft noch höhere Produktionskosten und die Notwendigkeit einer breiten Akzeptanz in der Gesellschaft Herausforderungen dar. Denn bisher produzieren herkömmliche Kunststoffunternehmen meist noch günstiger, da die Kosten, die ihre Produkte verursachen, nicht in die Produktionskosten „internalisiert“ werden. Diese Kosten zahlen wir als Gesellschaft, z. B. für den Umgang mit Umweltverschmutzung und Vermüllung. Unternehmen, die durch umweltfreundlichere Produkte weniger Kosten für die Allgemeinheit verursachen, sind aktuell oft noch teurer in der Herstellung.

Wichtig in der Einordnung ist ebenfalls das Anwendungsfeld: Besonders im medizinischen Bereich müssen Hygienevorgaben gewahrt sein, weshalb derzeit noch viel Einweg-Plastik eingesetzt wird. Doch auch hier können mit Biokunststoffen CO2-Emissionen deutlich verringert werden.

Insgesamt zeigen diese innovativen Beispiele, dass der Wandel im Umgang mit Kunststoffen bereits im Gange ist. Durch die Kombination von wissenschaftlichem Fortschritt, unternehmerischem Denken und einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft könnten diese Ansätze dazu beitragen, eine nachhaltigere Zukunft für unseren Planeten zu gestalten.

Mehr Innovationen, 5 Gründe, warum das Plastikzeitalter vorbei ist und einen Artikel über Bioplastik lesen Sie im reCYClist.

„Seit 1964 hat sich die Produktion von Plastik verzwanzigfacht.“
Die Autor*in
Flora Matani
Flora Matani
‚Nomen est omen' oder ‚Der Name ist Programm'. Flora beschäftigt sich seit einigen Jahren mit verschiedenen Themen rund um Nachhaltigkeit. Umgeben von Zimmerpflanzen oder auf ihrem Balkongarten, beschäftigt sie sich mit Tierschutz, fairer Mode oder veganer Ernährung. Für die FES betreut sie nachhaltige Projekte und berät Kunden im Rahmen der Abfallvermeidung. Zudem schreibt Sie redaktionelle Beiträge für den reCYClist.