Vorsicht Fettnäpfchen: Speiseöl gehört nicht in den Ausguss!
Der Werdegang vieler Brat- und Frittierreste ist ernüchternd: Sie landen im Restmüll, im Ausguss oder in der Toilette. Und das sorgt häufig für Probleme – nicht erst in der Kanalisation, sondern bereits im eigenen Haushalt. Denn Öl und Fett kühlen in den Rohren ab, werden fest und setzen sich an den Rohrwänden ab. Mit der Zeit verengen sich die Leitungen, bis sie verstopfen – und die Reinigungsarbeiten können richtig aufwendig und teuer werden. Hinzu kommt: Fette verbinden sich mit anderen Feststoffen im Abwasser zu sogenannten „Fatbergs“ – harten Ablagerungen, die ganze Rohrsysteme blockieren können.
Altfett: viel Verbrauch, wenig Rücklauf
Wie viel Altfett muss überhaupt in einem durchschnittlichen Haushalt entsorgt werden? Ist es wirklich so viel? Die Dimensionen sind tatsächlich enorm: Rund 2 Mio. Tonnen Frischfett werden jährlich durch den Lebensmitteleinzelhandel verkauft – das sind etwa 28,8 kg pro Person. Daraus fallen jährlich rund 65.000 Tonnen Altfett in Privathaushalten an – das entspricht 0,77 kg pro Person oder 2,0 kg pro Haushalt. Noch landet ein großer Teil davon im Restmüll oder im Abfluss – und geht damit als Rohstoff verloren.
Aber was ist mit Gastronomie, Imbissen und anderen Betrieben mit größeren Mengen an Altfett? Für die gewerbliche Nutzung gelten eigene Regeln: Die Entsorgung muss über zertifizierte Fachbetriebe erfolgen, die Sammel- und Abholsysteme bereitstellen. So wird sichergestellt, dass das Fett als Energieträger erhalten bleibt – und nicht in der Kanalisation landet.
Der richtige Weg: Sammeln, abgeben, Energie gewinnen
Viele wissen z. B. nach dem gemütlichen Fondue-Abend nicht so recht, wohin mit dem gebrauchten Öl. In einer großen Zahl von Haushalten wird es dann einfach in den Ausguss gekippt. Dabei ist es für Privatpersonen denkbar einfach, Altfett dem Recycling zuzuführen:
- Sammeln: z. B. in leeren Speiseölflaschen, Joghurteimern oder Waschmittelflaschen. Geeignet sind Frittierfette, Bratfette, Salatöle, Fondueöle, abgelaufene Speiseöle sowie Antipasti- und Fischöle.
- Abgeben: Viele Städte bieten bereits Sammelstellen an. In Frankfurt können Bürgerinnen und Bürger Altfett/-öl in haushaltsüblichen Mengen bei der Schadstoffsammlung oder bei der RMB Bioabfall Rhein-Main GmbH, Peter-Behrens-Str. 8, Frankfurt-Osthafen abgeben.
- Energiegewinnung: Das Altfett wird aufbereitet und zu Strom, Wärme oder Biodiesel verarbeitet.
Die Bilanz kann sich sehen lassen:
- 100 kg Altfett liefern etwa 83 m³ Biomethan – genug, um eine 60-m²-Wohnung rund einen Monat zu beheizen.
- Oder 300 kWh Strom – genug für den Betrieb eines Kühlschranks über zwei Jahre.
- Oder 90 kg Biodiesel – für rund 1.000 km Fahrstrecke.
Wichtig: Nicht alles gehört ins Altfettrecycling. Stoffe wie Alt- oder Mineralöle, Chemikalien, Saucen, Mayonnaise, Dressings oder andere flüssige Abfälle dürfen nicht in die Sammelbehälter. Sie stören den Recyclingprozess und müssen gesondert entsorgt werden.
Tipp: Fett clever mehrfach nutzen
Nicht jedes Brat- oder Frittierfett muss nach dem ersten Einsatz entsorgt werden. Klare, nicht überhitzte Fette lassen sich – je nach Zubereitungsart – ein- bis zweimal wiederverwenden. Dafür das Fett nach dem Abkühlen durch ein feines Sieb oder Küchenpapier filtern, um Krümel und Rückstände zu entfernen. Wichtig: Bei Anzeichen von starkem Geruch, Trübung oder Rauchentwicklung gehört das Fett nicht mehr in die Pfanne, sondern in den Sammelbehälter für das Recycling.
Mehr als nur Abfallvermeidung: gelebte Kreislaufwirtschaft
Das Sammeln von Altfett trägt nicht nur dazu bei, Abfall zu vermeiden, sondern ist ein aktiver Beitrag zu Klimaschutz und Ressourcenschonung. Und die Zahl der Sammelstandorte, an denen Privathaushalte ihre Küchenfette in den Wertstoffkreislauf zurückführen können, wächst. Jede abgegebene Flasche Bratöl oder jeder Becher Frittierfett entlastet nicht nur das Abwassersystem, sondern reduziert auch die CO₂-Emissionen, die bei der Herstellung neuer Energieträger entstehen würden. Zudem wird aus einem Stoff, der oft achtlos entsorgt wird, eine lokal verfügbare Energiequelle – sei es in Form von Strom, Wärme oder klimafreundlichem Kraftstoff. Kommunen profitieren dabei doppelt: Sie sparen Kosten bei der Abwasserreinigung und gewinnen gleichzeitig wertvolle Ressourcen zurück, die direkt vor Ort genutzt werden können.
Altfett ist damit ein Paradebeispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft: Ein Reststoff aus dem Alltag wird zu einem klimafreundlichen Energieträger.











