Gebrauchte Ware kann CO₂-Emissionen senken. Dies kann man berechnen.
Ein Taschenrechner zeigt auf seinem Display „CO₂-Rechner“ – denn auch Emissionen wollen ordentlich zusammengezählt werden.

Abfallvermeidung

Wie viel CO₂ spart Secondhand? Der FES CO₂-Rechner zeigt es

Wer Dinge gebraucht kauft, tauscht, spendet oder repariert, verlängert ihre Nutzungsdauer und vermeidet bestenfalls einen Neukauf. Doch wie viel CO₂ wird dadurch tatsächlich eingespart? Der reYOUrS-CO₂-Rechner auf FrankfurtPlus macht die Klimawirkung von Wiederverwendung in wenigen Schritten sichtbar.

Sie haben bestimmt schon einmal ein Kleidungsstück auf einer Tauschparty weitergegeben, ein Möbelstück gebraucht gekauft oder ein altes Smartphone verschenkt. Dass die Wiederverwendung gebrauchter Gegenstände gegenüber einem Neukauf Umweltbelastungen vermeiden kann, ist weitestgehend bekannt. Wie groß die damit vermiedenen Treibhausgasemissionen sind, bleibt dabei allerdings schwer nachvollziehbar.

Genau hier setzt der neue reYOUrS-CO₂-Rechner auf dem Frankfurter Serviceportal FrankfurtPlus an. Neben dem Abfall-ABC oder der Sperrmüllanmeldung können Nutzer*innen dort nun auch berechnen, welche potenzielle CO₂-Einsparung sich durch die Wiederverwendung gebrauchter Gegenstände ergibt.

Was berechnet der reYOUrS-CO₂-Rechner?

Die Anwendung ist bewusst einfach gehalten: Produkt auswählen, Anzahl eingeben und Ergebnis anzeigen lassen. Zur Auswahl stehen unter anderem Kleidung, Möbel, Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände, Bücher, Fahrräder und Kinderwagen.

Das Ergebnis wird in Kilogramm CO₂-Äquivalenten angegeben und zusätzlich in alltagsnahe Vergleiche übersetzt, beispielsweise in gefahrene Autokilometer oder Flugstrecken. So wird aus einer technischen Angabe eine verständliche Größenordnung. Allerdings wird nicht bei jeder Weitergabe automatisch der vollständige Wert eingespart.

Warum die Einsparung nicht immer dem Herstellungswert entspricht

Entscheidend ist, ob ein gebrauchter Gegenstand tatsächlich einen Neukauf ersetzt. Wer ein zweites Sofa nur mitnimmt, weil es kostenlos angeboten wird, spart nicht zwangsläufig die Herstellung eines neuen Sofas ein. Wer dagegen einen benötigten Kinderwagen gebraucht statt neu kauft, vermeidet mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Neukauf.

Der Rechner berücksichtigt dies über sogenannte Substitutionsquoten. Bei vielen Produkten wird angenommen, dass die Wiederverwendung in 50 Prozent der Fälle einen Neukauf ersetzt. Bei Jacken, Mänteln oder Jeans liegt der hinterlegte Wert bei 62 Prozent, bei Polstermöbeln teilweise höher.

Die Ergebnisse sind daher als Orientierungswerte zu verstehen und nicht als individuelle Ökobilanz jedes Gegenstands. Alter, Zustand, Transportweg, Reparaturaufwand und weitere Nutzungsdauer können sehr unterschiedlich sein.

Von Berlin nach Frankfurt

Eine wichtige Grundlage für das Frankfurter Tool liefert der CO₂-Rechner des Projekts Re-Use Berlin. Dieser macht sichtbar, welche Treibhausgasemissionen durch den Kauf gebrauchter Produkte gegenüber einem Neukauf vermieden werden können.

Für Frankfurt wurden die Grundwerte geprüft, weitere Produktkategorien ergänzt und neuere Quellen einbezogen. Das öffentlich zugängliche Datenblatt führt die CO₂-Werte, Substitutionsquoten und Quellen auf. Dazu gehören Daten von Umweltinstituten, wissenschaftliche Studien und Umweltproduktdeklarationen.

Wo derzeit keine ausreichend belastbaren Werte vorliegen, weist der Rechner noch keine Einsparung aus. Das betrifft beispielsweise einzelne Spielwaren oder Dekoartikel. Diese Transparenz ist wichtig, denn nicht für jedes Produkt lässt sich bereits eine belastbare Zahl angeben.

Wiederverwendung bei Veranstaltungen sichtbar machen

Der CO₂-Rechner ist nicht nur für einzelne Secondhand-Käufe oder Spenden gedacht. Im Rahmen des Zero Waste Labs wurde er auch für Tausch-, Sammel- und Wiederverwendungsaktionen entwickelt. Bei einer Kleidertauschparty an der Frankfurter Hauptwache wurden bereits Kleidungsstücke digital erfasst und die gemeinsame CO₂-Einsparung live angezeigt.

Ab August 2026 soll das CO₂-Barometer als Event-Tool weiter ausgebaut werden. Veranstaltungen können dann eigene Auswertungen erhalten, etwa zur Anzahl der getauschten Gegenstände und zu den rechnerisch ermittelten CO₂-Einsparungen. Später ist ein persönliches CO₂-Konto vorgesehen, auf dem Nutzer*innen ihre Einsparungen sammeln können.

Für Gebrauchtwarenhäuser, Repair-Cafés, Tauschpartys oder kommunale Re-Use-Angebote kann dies interessant sein. Häufig werden viele Gegenstände weitergegeben oder repariert, die gemeinsame Wirkung lässt sich aber nur schwer vermitteln. Der Rechner kann helfen, daraus ein sichtbares Gesamtergebnis zu machen.

Ein Rechner ersetzt noch keine Kreislaufwirtschaft

Digitale Tools allein sorgen selbstverständlich noch nicht dafür, dass Produkte länger genutzt werden. Es braucht weiterhin gut erreichbare Annahmestellen, Gebrauchtwarenangebote, Reparaturmöglichkeiten und Tauschformate.

Der reYOUrs-CO₂-Rechner zeigt jedoch, warum sich diese Angebote lohnen. Er macht die potenzielle Klimawirkung von Wiederverwendung anhand von Orientierungswerten sichtbar und macht deutlich, dass Abfallvermeidung bereits vor der Entsorgung beginnt. Ein Gegenstand, der weitergegeben wird, bleibt Produkt und muss nicht vorzeitig zu Abfall werden.

Grundsätzlich gilt: Je länger Produkte genutzt werden, desto besser verteilen sich die bei ihrer Herstellung entstandenen Umweltbelastungen über die Nutzungsdauer. Wiederverwendung ist deshalb kein Nebenaspekt der Kreislaufwirtschaft, sondern ein zentraler Bestandteil.

Weiterführende Links:

„Nichts geht verloren, nichts wird geschaffen, alles verwandelt sich.“
Antoine de Lavoisier, Chemiker
Erstellt von
Lukas Glöckner
Lukas Glöckner
Lukas ist Mediengestalter und Kommunikationsmanager B.A. Er kommt aus dem Bereich "CSR" eines Familienunternehmens und arbeitet nun bei "Lust auf besser leben". Er ist im Herzen ein stets kreativer und besonnener Hands-on-Teamplayer - und schreibt für sein Leben gern. Am liebsten über neue Innovationsthemen, die er sich selbst "drauffschaffen" muss.
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