„Unternehmen ergreifen verschiedene Maßnahmen, um die von ihren Mitarbeitenden verursachten Emissionen auf dem Arbeitsweg so gut es geht zu verringern.“
Die Autor*in
Jil Zitnik
Jil Zitnik
Schon als Kind war Jils große Leidenschaft die Literatur. Aus diesem Grund entschied sie sich nach ihrem Abitur Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt zu studieren. Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin bei der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH im Bereich Marketing tätig und schreibt für RECYCLIST. In ihrer Freizeit sitzt Jil häufig vor ihrem Laptop und verfasst Texte oder sie spaziert mit ihrem Hund durch Frankfurt und versucht währenddessen die Stadt weiterhin sauber zu halten.

Unternehmen

Elektromobilität im Unternehmen – was ist zu tun für einen nachhaltigen Fuhrpark?

Täglich fahren Millionen von Menschen mit dem Auto zur Arbeit. Öffentliche Verkehrsmittel haben den Ruf, unpünktlich zu sein, der Weg ist zu weit für das Fahrrad oder es gibt keine gute Infrastruktur. Und Elektromobilität ist unbezahlbar, oder? Im zweiten Teil unserer Reihe „Nachhaltigkeitstipps für Unternehmen“ beschäftigen wir uns mit dem nachhaltigen Fuhrpark.

Der Verkehr ist der drittgrößte CO2-Verursacher. Insgesamt geht es um schätzungsweise 155 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr 2021. Selbst im Vergleich mit den G20-Staaten liegt Deutschland bei den Pro-Kopf-Emissionen deutlich über dem Schnitt von 1,13 Tonnen CO2.

Denn Millionen von Menschen legen tagtäglich Strecken zur Arbeit zurück, die für den öffentlichen Nahverkehr oder das Rad zu weit sind, zumindest in Anbetracht der aktuellen Infrastruktursituation. Unsere Umwelt stellt das vor ein großes Problem. Gleichzeitig scheint die gehypte Lösung der Elektromobilität auch Schattenseiten zu haben – denken wir nur an die Lithiumbatterien, ihre Herstellung und Entsorgung.

Elektroautos und CO2-Emissionen

Eins steht fest: Elektroautos besitzen keinen Auspuff und fahren somit abgasfrei. Trotzdem entstehen Emissionen. Das liegt daran, dass es bei E-Autos selbstverständlich auch zu einem Brems- und Reifenabrieb kommt. Und dabei bleibt es nicht, denn auf den Straßen befinden sich Schadstoffe, die durch andere Fahrzeuge entstanden sind, aber natürlich auch durch Elektroautos aufgewirbelt werden. Die Menge an CO2, die dabei entsteht, ist jedoch viel geringer als das Fahren eines Verbrenner-Autos.

Aufladen und Lärm

Elektroautos werden überwiegend mit erneuerbaren Energien aufgeladen, was sich positiv auf die Umweltbilanz auswirkt. In Deutschland sind das laut dem Bundesumweltministerium sogar mehr als die Hälfte des Stroms. Auch mit dem heutigen Strommix und seinem Anteil an erneuerbaren Energien hat das Elektroauto einen Umweltvorteil.

Grundsätzlich ist es so, dass die Motorgeräusche eines E-Autos in Gebieten mit niedrigen Geschwindigkeiten deutlich leiser sind als die eines Verbrenners. Auf schnell befahrenen Straßen ist der Lautstärkepegel jedoch fast gleich hoch. Die neuen Elektroautos müssen mittlerweile nämlich ein Geräusch von sich geben, da sie sonst von anderen Verkehrsmitteln oder Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen nicht wahrgenommen werden und zur Gefahrenquelle würden. Jedoch sollen diese Signale angenehmer sein als die lauten Motorgeräusche eines Verbrenners.

Umweltverschmutzung bei der Herstellung?

Ein Elektroauto ist in der Herstellung meist umweltschädlicher. Das hängt beim E-Auto vor allem mit der Batterie- und Stahlherstellung zusammen. Hierbei entsteht eine hohe Anzahl an Feinstaubemissionen. Zudem ist der Rohstoffaufwand bei Elektrofahrzeugen aktuell höher als der des Verbrenners. Hinzu kommt: Die heutige Lithium-Ionen-Technologie benötigt Kobalt. Dieses wird meist unter sozial und ethisch problematischen Standards gefördert, die auch Umweltbelastungen zur Folge haben. In Lithium-Ionen-Batterien werden zudem Kupfer und Nickel verarbeitet, deren Herstellung ebenfalls in der Kritik steht. Beispielsweise werden beim Abbau große Mengen an Wasser verbraucht, was die Ökosysteme durcheinanderbringt.

Warum eine Elektroflotte in Unternehmen?

Klar ist, das Batterierecycling muss voranschreiten. Das ist ein erklärtes Ziel der Regierung. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich immer mehr Unternehmen dazu, auf Elektroautos umzusteigen. Einige setzen dabei voll und ganz auf E-Autos und andere wiederum versuchen, stückweise Fahrzeige mit Verbrennungsmotoren in der Flotte durch elektrische Autos auszutauschen.

Ein Grund für den Umstieg auf Elektromobilität im Fuhrpark sind klare Vorgaben, die Klimabilanz zu verbessern und messbar zum 1,5-Grad-Ziel beizutragen. Zudem steigt das Bewusstsein für Klimaschutz in Unternehmen.

Umweltbonus: Förderungen durch den Bund

Die Förderung der Elektroautos durch die Bundesregierung bringt für Unternehmen mehrere Vorteile: Zum einen gibt es den sogenannten Umweltbonus. An diesem Bonus beteiligen sich Bundesregierung sowie Hersteller. Um ihn zu erhalten, muss er beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Werden die Kriterien erfüllt, kann ein Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro ausgeschüttet werden. Spannend ist auch, dass die Kfz-Steuer bei E-Autos bis zu einem gewissen Zeitraum entfällt. Selbst nach dieser Zeit ist der Betrag der Kfz-Steuer geringer als die eines Verbrenners. Bei der Verwendung eines Elektroautos als Dienstwagen wird die Bemessungsgrundlage für das Privatleben halbiert.

Für welche Unternehmen lohnt sich ein Elektroauto?

Betrieblich zur Verfügung gestellte Elektroautos müssen sich für das Unternehmen und vor allem seine Mitarbeitenden lohnen. Ein Aspekt, der bei dieser Frage eine große Rolle spielt, ist die Länge der täglich zu fahrenden Strecke und ihre „Art“. Sollten Mitarbeiter*innen größtenteils in der Stadt fahren, ist das Einsetzen eines E-Autos eine gute Wahl, denn hier befinden sich viele Stellen zum Aufladen, die wiederum auf der Autobahn (noch) seltener vorzufinden sind.

Förderung für nachhaltiges Mobilitätsmanagement

Beim betrieblichen Mobilitätsmanagement geht es vor allem darum, dass Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um den von ihren Mitarbeitenden und Unternehmen verursachten Verkehr zu gestalten und so gut es geht zu verringern. Dafür haben sie mehrere Lösungsansätze zur Auswahl: Zum einen ist das Benutzen des Fahrrads oder des öffentlichen Personenverkehrs eine Möglichkeit, CO2-Emissionen einzusparen. Doch auch das Bilden von Fahrgemeinschaften oder das Car & Bike Sharing tragen dazu bei. Dabei spielen ganzheitliche Konzepte wie beispielsweise das Bereitstellen von Duschen und Umkleiden eine Rolle.

Best Practice „VAUDE“

Einige Firmen motivieren ihre Mitarbeiter*innen aktiv, die eigenen CO2-Emissionen zu verringern. So stellte das Unternehmen VAUDE fest, dass viele Mitarbeiter*innen mit dem Auto zur Arbeit fuhren. Das trieb nicht zuletzt die unternehmenseigene Klimabilanz in die Höhe.

VAUDE entwickelte dafür verschiedene Lösungen. Mitarbeiter*innen haben nun die Möglichkeit, sich ein Jobrad zu leasen. Außerdem stehen den Mitarbeiter*innen ein Fahrradparkplatz, eine Fahrradwerkstatt und eine Dusche zur Verfügung. Zudem wird das Bilden von Fahrgemeinschaften unterstützt: Durch eine App können Mitarbeiter*innen den gemeinsamen Weg zur Arbeit planen. Des Weiteren stehen Extraparkplätze für Fahrgemeinschaften zur Verfügung und es gibt ein Mobilitätslotto, um den eigenen Kohlenstoffdioxidverbrauch so gering wie möglich halten.

Wer nicht weiß, was das Beste für das eigene Unternehmen ist, kann sich beraten lassen. Beispielsweise in Hessen gibt es das Beratungsprogramm „südhessen effizient mobil“. Es unterstützt dabei, vorhandene Potenziale aufzuzeigen und einen individuellen Mobilitätsplan zu erstellen.

Fazit

Nicht jedes Unternehmen kann sofort auf Elektroautos umsteigen. Doch jede Veränderung kann dazu beitragen, den CO2-Ausstoß so gering wie möglich zu halten. Durch die Anreize der Bundesregierung für Unternehmen und die Vorteile, die Unternehmen ihren Mitarbeitenden und Stakeholder*innen bieten können, sollte der erste Schritt nicht weit entfernt sein.

Quellen: