Umweltschutz

Insekten retten leicht gemacht – Anleitung für ein selbstgebautes Insektenhotel

Hätten Sie das gewusst? In Deutschland gibt es über 30.000 verschiedene Insektenarten! Wir neigen dazu, sie in „gute“ und „störende“ Exemplare zu unterteilen – Schmetterlinge zu lieben und uns vor Wanzen zu gruseln. Doch sie alle sind einzigartig und spielen eine wichtige und oft unterschätzte Rolle für unsere Umwelt. Und: Sie sind darauf angewiesen, ausreichend Schutz zu finden.

Für viele Naturfreunde ist das Gesumme von Bienen wie Musik in den Ohren – es gehört einfach zu einem perfekten Sommer dazu. Doch nicht allen ist bewusst, wie Biene & Co. mit ihren vielseitigen Aufgaben die Umwelt positiv beeinflussen.

Bienen – unsere kleinen Helfer

Bienen tragen dazu bei, das ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, indem sie viele Pflanzen mit Pollen bestäuben. Das ist wichtig, denn mehr als 75 % aller Nutz- und Kulturpflanzen, wie Obst und Gemüsesorten, sind darauf angewiesen. Das bedeutet: Die Ernährung von Mensch und Tier liegt am Ende in den Händen bzw. den Beinchen von Insekten. Es ist wichtig, hier nicht nur von den populären Honigbienen zu sprechen – auch Wildbienen, Fliegen, Käfer und die ungeliebten Wespen tragen wesentlich zum Erfolg landwirtschaftlicher Ernten bei. Hinzu kommt, dass Insekten selbst eine Nahrungsquelle für viele Tierarten sind, die wir zur Verbreitung von Samen und die Erhaltung des Gleichgewichts brauchen.

Insektensterben – was ist dran?

Kurioserweise wurde ein relativ wenig bedrohtes Tier zum Symbol für das globale Insektensterben: Anders als viele ihrer Artgenossen ist die Honigbiene durch Imkerei noch halbwegs auf der sicheren Seite. Bei Wildbienen, Schmetterlingen, Heuschrecken, Käfern oder Schlupfwespen sieht es da schon anders aus. Laut BUND gibt es bis zu 75 Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren – ein dramatischer Schwund. Wir Menschen tragen zu einem großen Teil dazu bei, dass es immer weniger Insekten gibt. Der Einsatz von giftigen Substanzen in der Natur sowie die zunehmende Bodenversiegelung schädigen die Tiere nachhaltig und nehmen ihnen den Lebensraum. Nur langsam reift die Erkenntnis, dass klimafreundliches Wohnen auch dem Schutz der Insekten dienen sollte.

Was Sie ändern können

Auch die aktuellen Klimaveränderungen machen Insekten zu schaffen. Deshalb ist es wichtig, dass sie Nahrung, Wasser und Schutz finden, zum Beispiel vor Hitze oder Starkregen. Ein Schottergarten ist hier der falsche Weg. Richten Sie stattdessen im Garten eine „unordentliche“ Ecke mit Gehölz und wildem Bewuchs ein. Säen sie einfach ein paar Wiesenblumen oder bienenfreundliche Stauden, so wird es auch ohne große Pflege immer hübsch aussehen. Zusätzlichen Schutz und ein spannendes Forschungsobjekt für Kinder kann ein Insektenhotel sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Insekten mit einfachen Mitteln einen sicheren Schlupfort bieten können – übrigens auch auf dem Balkon!

Das Insektenhotel

Diese Artikel werden benötigt:

  • Eine leere große Konservendose
  • Bambusröhrchen
  • Schilfstängel oder Halme aus Stroh und Gräsern mit 3 bis 9 mm Innendurchmesser (die gibt es in der Natur oder im Baumarkt)
  • Bastelleim
  • Gartenschere
  • Säge
  • Draht oder Kordel zum Befestigen
  • Zange

Und so geht's:

  1. Der Deckel der Dose sollte vollständig abgetrennt sein. Wenn es nicht so ist: Den Deckel einfach abdrehen.
  2. Jetzt die Rohre durchsägen, Stängel oder Halme mit einer Gartenschere schneiden. Kleine Anmerkung: Sie sollten alle etwa so lang sein, wie die Dose hoch ist. Achten Sie auf eine saubere und splitterfreie Schnittfläche.
  3. Den Leim als etwa ½ cm dicke Klebeschicht innen auf den Dosenboden auftragen.
  4. Jetzt sofort mit dem Einstecken der zugeschnittenen Röhrchen und Stängel beginnen – so viele, wie in der Dose Platz finden. Nun die Dose stehen lassen, damit der Klebstoff am Dosenboden gut trocknen kann.
  5. Zum Schluss: Rundherum einen Draht oder eine Kordel befestigen, damit das Insektenhotel windgeschützt an einem schönen Platz in der Sonne aufgehängt werden kann.

Tipps für ein „gut gebuchtes“ Hotel: Das Insektenhotel muss auch im Winter draußen bleiben. Im Warmen würden die Insekten vorzeitig schlüpfen und zugrunde gehen. Eine Ausrichtung nach Süden oder Südwesten sorgt für möglichst viel Sonne auf der Vorderseite. Zudem sollte das Insektenhotel an einem windsicheren Ort platziert werden, sonst zieht kein Insekt ein. Eine Überdachung gegen Regen und eine freie Einflugschneise machen das Insektenhotel perfekt.

Wir wünschen viel Spaß beim Insektenretten!

Übrigens: Viele weitere Upcycling-Bastelideen für Kinder finden Sie auf Fessie.de, der Kinderseite von FES.

Nicht nur Bienen, auch andere Insekten sind für das ökologische Gleichgewicht wichtig.
„Es gibt bis zu 75 Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren – ein dramatischer Schwund.“
Die Autor*in
Jil Zitnik
Jil Zitnik
Schon als Kind war Jils große Leidenschaft die Literatur. Aus diesem Grund entschied sie sich nach ihrem Abitur Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt zu studieren. Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin bei der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH im Bereich Marketing tätig und schreibt für RECYCLIST. In ihrer Freizeit sitzt Jil häufig vor ihrem Laptop und verfasst Texte oder sie spaziert mit ihrem Hund durch Frankfurt und versucht währenddessen die Stadt weiterhin sauber zu halten.