Ein Unternehmensgebäude wird von Starkregen und Dürre bedroht.

Klimawandel

Jetzt handeln: So machen Sie Ihr Unternehmen klimaresilient

Extreme Wetterereignisse wie Hitzeperioden, Starkregen und Überflutungen nehmen spürbar zu und wirken sich längst auf den betrieblichen Alltag aus. Unternehmen stehen deshalb vor der Aufgabe, ihre Strukturen und Prozesse widerstandsfähiger zu machen. Dieser Beitrag zeigt, welche konkreten Maßnahmen dabei helfen, Risiken zu minimieren und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Der Klimawandel ist keine Zukunftsfrage mehr – er ist betrieblicher Fakt. Extreme Hitze, anhaltende Trockenperioden, Starkregen, Überflutungen oder plötzliche Kälteeinbrüche: All diese Phänomene treten bereits auf und hinterlassen zunehmend auch wirtschaftliche Spuren.

Gerade in Ballungszentren wie Frankfurt werden die klimatischen Veränderungen konkret messbar. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Hitzetage über 30 °C bis 2039 mehr als verdoppeln wird (siehe IHK Frankfurt). Tropennächte, Temperaturen über 40 °C, feuchtere Winter und trockenere Sommer werden zur Normalität – mit tiefgreifenden Folgen für die regionale Wirtschaft.

Warum Klimaanpassung zur Management-Aufgabe wird

Klimaanpassung bedeutet, sich aktiv und strategisch auf die bereits spürbaren und künftig erwartbaren Veränderungen einzustellen. Während der Klimaschutz vor allem auf die Vermeidung von Emissionen zielt, geht es bei der Anpassung um die Widerstandsfähigkeit gegenüber unvermeidlichen Folgen – ökologisch, infrastrukturell, organisatorisch.

Für Unternehmen steht dabei viel auf dem Spiel:

  • Produktivitätseinbußen durch Hitze: Hohe Temperaturen mindern die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden, erhöhen die Fehleranfälligkeit und lassen die Betriebskosten (z. B. für die Kühlung) steigen.
  • Schäden an Gebäuden und Technik z. B. durch Überflutungen oder Stürme.
  • Störungen in Lieferketten, wenn Verkehrsinfrastruktur ausfällt oder Zulieferer selbst betroffen sind.
  • Kostensteigerungen bei Versicherungen und Investitionsbedarf durch neue gesetzliche Anforderungen.

Klimaanpassung wird so zur unternehmerischen Resilienzstrategie – und damit zur Chefsache. Wer vorausschauend plant, senkt Risiken, schützt Investitionen, stärkt das Vertrauen von Stakeholdern und sichert die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Sechs Handlungsfelder: So wappnen sich Unternehmen

  1. Standorte und Risiken analysieren
  • Durchführung von Klimarisikoanalysen: Welche Standorte sind besonders hitzeanfällig? Besteht Überflutungsgefahr?
  • Klimakarten, Hitzebelastungsmodelle oder Starkregengefahrenkarten nutzen (z. B. aus kommunalen Geoinformationssystemen).
  • Frühzeitige Einbindung von Facility Management, HR und Logistik in die Risikobewertung.
  1. Infrastruktur klimaresilient gestalten
  • Nachrüstung oder Neubau von Gebäuden mit:
    • Hitzeschutz (Verschattung, begrünte Dächer, reflektierende Materialien)
    • Kühlung durch natürliche Belüftung
    • Trennung von Schmutz- und Regenwasser, Rückstauklappen, Notentwässerungen
    • Flutschutzanlagen und erhöhte Technikräume
  • Nutzung von Förderprogrammen z. B. für Gebäudesanierungen, grüne Fassaden oder Regenwassermanagement
  1. Arbeitsorganisation anpassen
  • Einführung von flexiblen Arbeitszeiten bei Hitze, z. B. früher Arbeitsbeginn
  • Bereitstellung von gekühlten Aufenthaltsräumen, Wasserstationen, Sonnenschutz im Außenbereich
  • Regelungen für hitzebedingte Homeoffice-Möglichkeiten
  • Gesundheitsvorsorge in Hitzewellen als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements
  1. Lieferketten und Geschäftsmodelle prüfen
  • Diversifizierung von Zulieferern (z. B. regionale Alternativen)
  • Lagerkapazitäten für kritische Materialien aufstocken
  • Risikoanalysen für Transportwege, auch unter Extremwetterbedingungen
  • Digitalisierung von Abläufen zur Reduktion physischer Abhängigkeiten
  1. Mitarbeitende einbinden und sensibilisieren
  • Schulungen zu Klimarisiken und Anpassungsmaßnahmen
  • Einbindung in Ideenentwicklung (z. B. durch Klimaworkshops)
  • Kommunikation als Chance: Verantwortung zeigen stärkt die Unternehmenskultur und Mitarbeiterbindung
  1. Strategisch planen und mit externen Partner*innen vernetzen
  • Entwicklung eines Klimaanpassungskonzepts, idealerweise integriert in die Unternehmensstrategie
  • Nutzung kommunaler Unterstützungsangebote wie der Initiative Aufbruch Klimaanpassung Frankfurt
  • Kooperation mit Stadtverwaltung, Verbänden, Kammern und anderen Unternehmen

Initiativen & Anlaufstellen zur Klimaanpassung in Hessen

  • Initiative „Aufbruch Klimaanpassung“ in Frankfurt

In Frankfurt wurde mit Aufbruch Klimaanpassung ein wirkungsstarkes Netzwerk geschaffen, das Unternehmen praxisnahe Orientierungshilfen bietet. Dazu gehören Beispiel‑Projekte, Workshops und Formate zum Wissenstransfer, mit denen Resilienzstrategien greifbar gemacht werden.

  • Landesinitiative „Klima‑Kommunen Hessen“

Das Bündnis der Klima‑Kommunen Hessen, gefördert durch die LEA Hessen, unterstützt Kommunen und kommunale Unternehmen bei Investitionen in Klimaanpassung. Dazu gehören unter anderem Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung, Starkregenvorsorge und Quartierskonzepte. In Hessen sind aktuell über 400 Kommunen eingebunden. Mitglieder profitieren von höheren Förderquoten (bis zu 75 %) und kostenfreier Vorfeldberatung durch HessenEnergie.

  • HLNUG – Fachzentrum Klimawandel und Anpassung

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) stellt Unternehmen und Kommunen Checklisten, Klimakarten (z. B. Starkregen‑Pfadkarten für 389 Kommunen) sowie Beratung rund um klimagerechte Gewerbegebiete bereit. Besonders hilfreich sind Handreichungen zu klimaresilienter Infrastruktur und Tipps zur Unternehmensstrategie.

  • Umweltallianz Hessen – vernetzter Austausch auf Unternehmensseite

Die Umweltallianz Hessen ist ein Netzwerk aus rund 900 Unternehmen und Kommunen, das seit 2000 den Austausch zu Fragen von Klimaschutz, Umweltschutz und – zunehmend – Klimaanpassung organisiert. Über Dialogforen und Formate wie den EcoDialog werden Klimarisiken thematisiert, Maßnahmen diskutiert und Best‑Practice‑Lösungen geteilt.

  • Fachveranstaltungen & Wissenstransfer: Klima.Zukunft.Hessen

Die Veranstaltung Klima.Zukunft.Hessen bringt alle relevanten Akteure aus Wirtschaft, Kommunen und Verwaltung zusammen. Sie findet alle zwei Jahre statt – zuletzt im Juni 2025 in Frankfurt – und dient dem fachlichen Austausch von regionalen Konzepten, Fördermöglichkeiten und neuen Tools etwa zur Bauleitplanung oder Sofortmaßnahmen.

  • Fortbildungen für Klimaanpassungsmanager*innen

Das öffentliche Zentrum für Klimaanpassung bietet diverse Fortbildungen für Unternehmen und kommunale Akteure an (teils mit Partner*innen wie dem DWD), um sich ins Thema einzuarbeiten und auch neue ISO-Standards sowie Datensysteme kennenzulernen. Viele Angebote gibt es zudem zur Woche der Klimaanpassung im September.

Fazit: Vom Reagieren zum Vorausdenken

Klimaanpassung ist kein kurzfristiger Kostenfaktor, sondern eine Investition in Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Verantwortung. Die Risiken des Nichthandelns sind längst real – aber die Chancen des vorausschauenden Handelns sind größer. Unternehmen, die jetzt aktiv werden, zeigen: Sie denken langfristig, handeln verantwortungsvoll und sichern sich Stabilität in einer zunehmend instabilen Welt. Wer heute handelt, schützt nicht nur sein Unternehmen, sondern stärkt auch seine Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt.

Weiterführende Artikel

Unternehmen sind zunehmend in der Pflicht, über Nachhaltigkeitskennzahlen und damit verbundene Anpassungen im Hinblick auf ökologische und soziale Probleme zu berichten. Hier im Blog haben wir bereits wertvolle Informationen bereitgestellt:

 

„Wer jetzt noch nicht wach ist, der muss sich fragen, was denn eigentlich passieren muss, damit man den Ernst der Lage erkennt.“
Der frühere Chef des UN-Umweltprogramms und ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer in der Stuttgarter Zeitung vom 3. Feb. 2007
Die Autor*in
Lukas Glöckner
Lukas Glöckner
Lukas ist Mediengestalter und Kommunikationsmanager B.A. Er kommt aus dem Bereich "CSR" eines Familienunternehmens und arbeitet nun bei "Lust auf besser leben". Er ist im Herzen ein stets kreativer und besonnener Hands-on-Teamplayer - und schreibt für sein Leben gern. Am liebsten über neue Innovationsthemen, die er sich selbst "drauffschaffen" muss.