Knärzje-Gründer Daniel Anthes und sein Team

Frankfurt

Knärzje – das erste biozertifizierte Zero-Waste-Bier Deutschlands

Die Verschwendung von Lebensmitteln wirkt sich negativ auf unsere Umwelt aus. Auf der ganzen Welt werden viele essbare Produkte in den Müll geworfen. Derzeit kommt eine Menge von 1,3 Milliarden Tonnen jährlich zusammen – das entspricht in etwa einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs. Um übrig gebliebene Lebensmittel sinnvoll zu nutzen, wurde das Startup Knärzje ins Leben gerufen.

In Deutschland wird von allen alkoholischen Getränken das Bier am liebsten getrunken. Es gibt hierzulande etwa 5.000 verschiedene Biere, die sich teilweise recht ähnlich sind. Die meisten Bierliebhaber*innen greifen zu Pils- und zu Weizensorten. Doch wer sucht, findet einige Produkte, die sich in ihrer Herstellung und in ihrem Geschmack gegenüber den „normalen“ Bieren stark unterscheiden und abheben.

Ein Bier, das mit Brot hergestellt wird – dieses Verfahren klingt nach einer neuen Erfindung. Tatsächlich hat es seinen Ursprung bereits bei den alten Ägyptern und Babyloniern. Dort wurde hart gewordenes Brot genutzt, um ein kräftiges, alkoholhaltiges Getränk zu brauen. Und auch in England hat diese Methode schon vor langer Zeit Fuß gefasst. Doch wie sieht es in Deutschland aus – im Land der berühmten Brote und Biere?

Die Bier-Idee

Daniel Anthes und das Thema Nachhaltigkeit sind eng miteinander verbunden. Der 35-Jährige engagiert sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich gegen Lebensmittelverschwendung, ist Mitglied des gemeinnützigen Vereins „ShoutOutLoud“ sowie Autor des Buchs „Weil wir Essen lieben – vom achtsamen Umgang mit Lebensmitteln“. Darüber hinaus war er als Coach für Zero-Foodwaste-Workshops tätig. Und nun ist er auch Gründer des Startups Knärzje.

Schon lange verfolgte Anthes die Herstellung des Brotbiers in England und kam immer wieder auf die Frage zurück, warum es dieses besondere Bier nicht auch in Deutschland gibt. Mit der Herstellung eines Brotbiers die Lebensmittelverschwendung nennenswert zu reduzieren – ein faszinierender Gedanke. Da Daniel Anthes niemanden fand, der bereits mit der Umsetzung dieser Idee beschäftigt war, entschied er sich dazu, die Sache kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen, und begab sich auf die Suche nach Partner*innen.

Die ersten Versuche

Schnell fand Anthes welche: Die Mikrobrauereien BrauStil und Brewids erwiesen sich als perfekte Mitstreiter, da sie nicht nur viel Wert auf Nachhaltigkeit legen, sondern auch voller Überzeugung hinter dem Projekt standen. Gleiches gilt für die Bio-Bäckerei Zeit für Brot – auch sie konnte Anthes für seine Idee gewinnen. Der charmante Name „Knärzje“ stand schnell fest, schließlich macht die hessische Bezeichnung für ein Brotendstück gleich deutlich, welche Zutat dem neuen Bier seinen Charakter gibt. Mit Hilfe seiner Partner konnte Daniel Anthes direkt mit der Testphase beginnen: Für die ersten Versuche verwendeten sie die Reste eines Mischbrots – mit großem Erfolg und viel erfreulichem Feedback der externen Bierverkoster*innen.

Der Bekanntheitsgrad stieg

Aufgrund der positiven Rückmeldungen brauten Anthes und seine Partner 2018 weitere Ladungen des Brotbiers. Eine größere Menge Bierliebhaber*innen und Nachhaltigkeitsinteressierte konnten nun den Geschmackstest machen, und so wurde Knärzje als erstes Zero-Waste-Bier Deutschlands immer berühmter. Wie immer in solchen Fällen dauerte es nicht lange, bis die Medien auf das ungewöhnliche Projekt aufmerksam wurden – der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte. Es folgten etliche Auszeichnungen und Nominierungen, darunter der Preis „Zu gut für die Tonne!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und zuletzt der Bio-Gründer-Preis 2021.

Aus einem kleinen Projekt …

Daniel Anthes entschied sich aufgrund des positiven Feedbacks schnell dazu, es nicht nur bei einem Projekt zu belassen. Aus der guten Idee und den ersten Gehversuchen entstand nun ein Startup gegen Lebensmittelverschwendung. Höchst motiviert arbeitete Anthes mit seinen Partnern an weiteren Varianten. In der Folge kamen die Sorten Knärzje Helles und Pils auf den Markt. Heute arbeiten Daniel Anthes und sein Team mit der Bäckerei Biokaiser sowie der Bio-Bäckerei Bergmann zusammen – Knärzje ist deutlich gewachsen und biozertifiziert.

Das Team

Das Team rund um das Startup Knärzje besteht aus sechs Menschen: Daniel Anthes, Ralf Wagner (Co-Gründer), Markus Schwarz (Vertrieb und Marketing), Benedikt Eisenhardt (Grafik und Kommunikationsdesign) sowie Bernd Bergmann und Stefan Koch (Produktion).

Sie alle arbeiten mit großer Leidenschaft an ihrem Startup gegen Lebensmittelverschwendung, da für sie das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt und sie überzeugt von ihrem Brotbier sind.

Wie funktioniert das Ganze eigentlich?

Für das Herstellungsverfahren des leckeren Brotbiers gilt das Betriebsgeheimnis. Wichtig in jedem Fall: Es muss beim Brauen Brot aus Vollkornmehl hinzugefügt werden. Es ersetzt einen Teil des üblichen Braumalzes.

Das Bier Knärzje kann sowohl online als auch offline gekauft werden. Auf der Internetseite des Startups werden alle Biere angeboten, in kleinen Einheiten oder der klassischen Kiste. Doch auch im Handel und in einigen Restaurants ist Knärzje vertreten, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet. Wir sagen Prost – auf eine nachhaltigere Zukunft mit weniger Lebensmittelverschwendung!

„Ein Bier, das mit Brot hergestellt wird – dieses Verfahren hat seinen Ursprung bei den alten Ägyptern und Babyloniern.“
Die Autor*in
Jil Zitnik
Jil Zitnik
Schon als Kind war Jils große Leidenschaft die Literatur. Aus diesem Grund entschied sie sich nach ihrem Abitur Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt zu studieren. Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin bei der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH im Bereich Marketing tätig und schreibt für RECYCLIST. In ihrer Freizeit sitzt Jil häufig vor ihrem Laptop und verfasst Texte oder sie spaziert mit ihrem Hund durch Frankfurt und versucht währenddessen die Stadt weiterhin sauber zu halten.