Einwegbecher am Opernplatz in Frankfurt am Main
Mehrwegteller und -becher zum Mitnehmen im Glauburg Café
„Wenn jede*r To-go-Trinker*in nur jedes zweite Mal einen Einwegbecher nutzen würde, hätten wir bald 41.500 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.“
In Frankfurt wird der #MainBecher im Pfandsystem genutzt
Die Autor*in
Flora Hochrein
Flora Hochrein
Als Frankfurterin lag Flora schon immer am Herzen ihre Stadt lebenswerter zu machen. Durch ehrenamtliches Engagement und den Aufbau von städtischen Abfallvermeidungs-Projekten für die FES, setzt sie dies in die Tat um.

Mehrweg

Mehrweg statt Müllflut

Viele von uns fragen sich, wie sie zum Umweltschutz beitragen können. Regional einkaufen, auf Plastik verzichten, das Auto stehen lassen, auf Ökostrom umsteigen oder tierische Produkte streichen?! Große Veränderungen wirken oft abgeschreckend – oder aus finanziellen Gründen unmöglich. Doch gibt es konkrete Projekte, die Nachhaltigkeit, Preisbewusstsein und Komfort im Alltag vereinen.

Ein Beispiel hierfür sind Mehrweg-Pfandsysteme. Diese gibt es in unendlich vielen Varianten auf der ganzen Welt. Mehrweg ist durch die längere Nutzungsdauer zweifellos nachhaltiger als Einweg-Produkte. Ressourcen für die Produktion und Entsorgung werden durch die mehrfache Nutzung gespart und das Abfallaufkommen reduziert.

An dem Beispiel von Einwegbechern für den To-go-Verzehr lässt sich das Problem leicht erkennen: In Deutschland werden jeden Tag rund 7,6 Millionen Becher verbraucht. Das entspricht 40.000 Tonnen Abfall im Jahr. Für eine Nutzung von nur 15 Minuten pro Becher werden Unmengen an Ressourcen verbraucht, die sich oftmals nicht mehr recyceln lassen. 1,5 Milliarden Liter Wasser und 22.000 Tonnen Rohöl werden unter anderem für die Produktion benötigt. Ein Ressourcenverbrauch, der sich leicht reduzieren lässt.

Rohstoffverbrauch reduzieren mit Mehrwegbecher aus dem Main-Kinzig-Kreis

Das inhabergeführte Unternehmen NOWASTE mit Sitz in Hanau produziert seit 2009 Mehrwegbecher, die zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und biologisch abbaubar sind. Der Gedanke des ganzheitlichen Umweltschutzes wird hier tagtäglich gelebt. Allein das Material des Bechers trägt schon vor der Nutzung zu der Nachhaltigkeit des Produkts bei.

Die Mehrwegbecher aus dem Main-Kinzig-Kreis bestehen aus einer Mischung an natürlichen Stoffen:

  • Lignin ist ein „Baumstoff“, der bei der Papierherstellung übrig bleibt, also eine Art Abfallprodukt
  • Hinzu kommen mineralische Füllstoffe wie Kalk, pflanzliche Öle, Glucose, Stärke und Wachse

Er ist schadstofffrei, enthält kein Melamin (Sie erinnern sich an die Bambusbecher?) und Formaldehyd. Außerdem lässt sich der Becher nach seiner Lebensdauer zu neuen Bechern recyceln oder in entsprechenden Anlagen kompostieren. So erfüllt er nicht nur durch die Herstellung in Deutschland, sondern auch durch die Wiederverwertung eines „Abfallprodukts“ aus der Papierindustrie die Ansprüche an ein durch und durch nachhaltiges Produkt.

Selbst wenn ein Becher im Abfall und somit in der Verbrennung landen sollte, setzt dieser nicht mehr CO2 frei, als das Material vor der Nutzung als Becher gebunden hat. Für eine optimale Ökobilanz, die dem Einwegbecher weit überlegen ist, gilt dennoch eine Nutzung von mindestens 10 Mal.

Denken wir an unsere Bechermengen im Alltag, wird schnell klar, dass wir mit der Nutzung dieses Mehrwegbechers relativ einfach zum Umweltschutz beitragen können.

Komfortabler Umweltschutz durch Pfandsysteme

Doch auch vom Material des Bechers einmal abgesehen, leistet jede Art von Mehrweg-Nutzung einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz. Sei es durch den Einkauf auf dem Markt mit mitgebrachter Dose oder dem Verzehr in Porzellan-Geschirr vor Ort: Wer nicht auf den Verzehr unterwegs verzichten möchte und keine Lust hat, stets den eigenen Becher und eine Dose dabeizuhaben, kann auf Pfandsysteme zurückgreifen. Verschiedene Anbieter*innen haben sich mittlerweile in jeder größeren Kommune etabliert. Sie sorgen für Abfallvermeidung ohne Mehraufwand für Bürger*innen.

Eines dieser Systeme ist der #MainBecher. Hierbei werden die regional produzierten Becher und Deckel von NOWASTE genutzt. 2018 wurde die Idee als Pilotprojekt „cup2gether“ in Frankfurt am Main getestet und Ende 2019 von dem lokalen Entsorgungsbetrieb FES übernommen und ausgebaut. Denn für Abfallentsorger wird Umwelt- und Klimaschutz immer wichtiger.

Wie funktioniert der #MainBecher?

Um die Teilnahme an der städtischen Abfallvermeidungsinitiative möglichst vielen zu ermöglichen und damit ein flächendeckendes Pfandsystem zu schaffen, können Cafés die Becher auf Kommission beziehen, ohne Gebühr oder Mindestlaufzeit.

Die Nutzer*innen, also To-go-Trinker*innen, wiederum kaufen sich einmalig für 3 € in das System ein. Dadurch erwerben sie eine Pfandmarke aus Holz, mit der sie unbegrenzt bei teilnehmenden Betrieben einen Mehrwegbecher eintauschen können. Benutzte Becher können an einem anderen Ort wieder abgegeben werden. Somit hat der oder die Nutzer*in entweder eine Pfandmarke dabei, die bequem ins Portemonnaie passt, oder einen Mehrweg-Becher mit leckerem Kaffee, Tee oder einem Kaltgetränk.

Mehrweg als erster Schritt

Jede*r kann einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, selbst wenn er noch so klein ist. Bei Ihnen mag es der Verzicht auf Plastikstrohhalme, bei Ihren Mitmenschen das Einkaufen ohne Verpackung sein. Es ist die Summe von vielen kleinen Maßnahmen im Alltag, die eine große Wirkung haben kann. Um bei dem Beispiel des Einwegbechers zu bleiben: Wenn jede*r To-go-Trinker*in nur jedes zweite Mal einen Wegwerfbecher nutzen würde, hätten wir schon 41.500 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.