Warum viele Putzmittel problematisch sind
Haushaltsreiniger mit extra Fettlösekraft, Spezialreiniger für gefühlt jeden einzelnen Gegenstand im Haushalt und „hygienische Frische“ – das Marketing findet immer neue Argumente, warum wir „innovative“ Putzmittel mit Geheimformeln kaufen sollen. Tatsächlich verbergen sich in vielen Putzmitteln allerdings schädliche Inhaltsstoffe:
- Mikroplastik: Insbesondere Scheuermilch ist oft damit belastet. Mikroplastik in Reinigern reichert sich beim Auswaschen in Gewässern und der Umwelt an und schadet der Gesundheit von Mensch und Tier.
- Silikone: Diese wasserabweisenden Kunststoffverbindungen sollen Oberflächen glänzen und Wasser abperlen lassen. Wir finden sie besonders häufig in Möbelpolitur. Sie reichern sich in Gewässern an und gelangen über den Klärschlamm in die Böden.
- Duftstoffe: Immer häufiger warnen Ärzte vor allergieauslösenden Reinigungsmitteln. 26 Duftstoffe sind bekannt für allergische Reaktionen und müssen deshalb auch einzeln deklariert werden. Sie können zum Beispiel für Kontaktekzeme sorgen oder über die Atemwege Allergien auslösen. Dazu gehören übrigens auch ätherische Öle, die in ökologischen Reinigungsmitteln eingesetzt werden (z. B. Geraniol oder Citral).
- Desinfektionsmittel: Seit der Corona-Pandemie fehlen sie in kaum einem Haushalt. Das Problem: Der allzu verschwenderische Einsatz von Desinfektionsmitteln fördert Resistenzen, Mikroorganismen werden mehr und mehr immun. Viele dieser Produkte enthalten obendrein Substanzen, die im Verdacht stehen, krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend zu sein.
- Tenside und Konservierungsmittel: Etliche dieser Stoffe sind schwer biologisch abbaubar und belasten die Gewässer. Auch sie können die Hautbarriere angreifen und zu allergischen Reaktionen führen.
Viele häufig eingesetzte Inhaltsstoffe können also die Umwelt, aber auch die Gesundheit belasten. Letzteres gilt vor allem dann, wenn sie in Sprühflaschen verwendet werden. Die eingeatmeten Dämpfe beim Putzen gelangen in die Lunge und reizen die Atemwege. Dies gefährdet nicht nur Asthmatiker*innen und Allergiker*innen besonders. Menschen, die regelmäßig solche gesundheitsschädlichen Sprühreiniger benutzen, setzen ihre Lunge langfristig ähnlichen Belastungen aus, wie sie beim Rauchen entstehen. Die feinen Partikel können also tatsächlich zu Langzeitschäden führen. Dies alles sind gute Gründe, die Raumluftbelastung durch Reinigungsmittel und überhaupt chemische Reiniger zu vermeiden.
Welche Putzmittel braucht man wirklich im Haushalt?
Die gute Nachricht: Es ist gar nicht so schwer, seine Putzmittel zu reduzieren und trotzdem in einem sauberen Haushalt zu leben. Denn es gibt natürliche Alternativen zu Putzmitteln, mit denen es sich ohne Chemie und plastikfrei putzen lässt.
- Für Kalk: Essigessenz oder (etwas milder) Zitronensäure in Pulverform
Beides können Sie nach der Anleitung auf der Verpackung mit Wasser verdünnen und für Kalkflecken im Bad oder der Küche einsetzen. Zitronensäure zur Reinigung hat den Vorteil, dass sie angenehmer riecht als Essig und sehr ergiebig ist. - Für Fett und Eingebranntes: Natron
Natron ist ein altes Hausmittel zum Putzen und ein echtes Multitalent, das sich vielseitig einsetzen lässt. Mit etwas Wasser aufgeschäumt entfernt das Pulver nicht nur typischen Küchenschmutz, es rückt auch Schimmelflecken auf Fugen, Seifenresten, verstopften Abflüssen oder Dingen, die schlecht riechen, zu Leibe. - Als Glasreiniger: Essig oder Isopropylalkohol
Einfach im Verhältnis 1:2 mit Wasser mischen, auf Glas verteilen und abziehen oder trockenwischen – mehr braucht es nicht, vor allem keine Duftstoffe oder blaue Farbstoffe, die in üblichen Glasreinigern oft enthalten sind. - Zum Spülen und für Oberflächen: natürliches Spülmittel
Wer ganz auf DIY-Reinigungsmittel setzen möchte, kann auch ein nachhaltiges Spülmittel selber machen. Als Basis für 1 Liter Spülmittel braucht es 200 ml einer ökologischen Flüssigseife und 2 Teelöffel Natron. Das Ganze mit Wasser aufgießen – fertig. - Für Böden und diverse Flächen: milder Allzweckreiniger
Das selbst gemachte Spülmittel lässt sich dann auch als Bestandteil für einen Allzweckreiniger verwenden. Einfach zwei Esslöffel davon mit 500 ml Wasser und einem Schuss Essig aufgießen. - Zum Polieren: Schlämmkreide
Schlämmkreide ist ein Calciumcarbonatpulver, mit dem sich zum Beispiel Edelstahlflächen gut polieren lassen. Dazu das Pulver bis zur gewünschten Konsistenz mit Wasser und etwas Essig anrühren.
Von Backofen bis Toilette: Spezialreiniger durch natürliche Reinigungsmittel ersetzen
Mit den oben genannten natürlichen Reinigungsmitteln gelingt es, nahezu alles im Haushalt zu putzen. Spezialreiniger mit „Boostern“, „Suprareinigungspower“ und „Fleckmagneten“ sind dafür nicht nötig. Gerade die mit viel Aufwand beworbenen Mittel beinhalten oft eine Vielzahl kritischer Substanzen. Backofenspray ist dafür ein gutes Beispiel, bei dem sogar vor dem Einatmen auf der Verpackung gewarnt wird. Dabei lässt sich der Backofen ohne Chemie reinigen – Natron macht's möglich. Als Silberputzmittel dient Schlämmkreide, als Möbelpolitur ein paar Tropfen Olivenöl. Der Tausendsassa Natron lässt sich übrigens auch als Teppichreiniger verwenden – zusammen mit Speisestärke als Hausmittel. Und wenn in der Toilettenschüssel Natron und Zitronensäure einmal nicht ausreichen sollten, wirkt ein angefeuchteter Bimsstein Wunder. Er entfernt auch alte Kalkränder besser als jeder aggressive Reiniger – und das ohne einen Kratzer. Desinfektionsmittel sind in durchschnittlichen Haushalten überflüssig – viel wichtiger ist es, Reinigungstücher gut zu trocknen, oft zu wechseln und regelmäßig bei 60 Grad zu waschen.
Apropos Tücher …
Mikrofaser ja oder nein? Nachhaltiges Zubehör zum Putzen
Nachhaltiger Frühjahrsputz bedeutet, mit möglichst wenigen, umweltfreundlichen Reinigungsmitteln auszukommen und auf unnötige Chemie sowie Plastik zu verzichten. Das gilt auch für das Reinigungszubehör. Die beliebten und zugegebenermaßen sehr wirkungsvollen Mikrofasertücher sind umstritten. Denn bei jeder Wäsche geben sie winzige Kunststofffasern in das Waschwasser ab, was damit als Mikroplastik in der Umwelt landet. Damit erfüllen sie nicht die Ansprüche an plastikfreies Putzen. Erst recht kann man getrost auf Einwegprodukte wie „Staubmagnete“ verzichten. Wer seinen Haushalt wirklich umweltfreundlich reinigen will, sollte stattdessen auf Baumwolltücher zurückgreifen – z. B. selbst gehäkelte im Waffelmuster oder Lappen aus ausgedienten Kleidungsstücken und Geschirrtüchern. Auch gekaufte Zellstoffschwammtücher machen einen guten und nachhaltigen Job. Spülbürstenfans sollten auf solche aus Holz und mit Austauschkopf zurückgreifen. An dieser Stelle vielleicht ein Wort über den beliebten Kaffeeröster, der regelmäßig unzählige Putzutensilien anbietet: Es braucht keine Fugenbürste, keinen Entkalker-Aufsatz, keine Krümelbürste und keinen Kantenschaber. Deren Aufgaben können Dinge erledigen, die bereits im Haushalt vorhanden sind, zum Beispiel eine alte Zahnbürste. Jedes neu angeschaffte (Plastik-)Teil macht den Haushalt weniger nachhaltig. Vielleicht einzige Ausnahme: Ein Abzieher, der Kalkflecken im Bad vorbeugt, ist eine gute Investition.
6 Tipps für den Einkauf von umweltfreundlichen Putzmitteln
Nicht jede*r hat Lust, eine eigene Mischung herzustellen. Viele vertrauen lieber auf Putzmittel-Rezepturen, die fertig im Handel erhältlich sind. Natürlich kann man auch nachhaltige Reinigungsmittel kaufen. Wer dabei ein paar Dinge beachtet, kann trotzdem ohne Chemie putzen und seinen Haushalt umweltfreundlich reinigen.
- Die bessere Verpackung wählen: Glasflasche und Karton statt Plastik
- Auf Umweltsiegel achten: Mit dem Blauen Engel sind Sie auf der sicheren Seite
- Halbfertige Produkte kaufen: Tabs zum Auflösen bzw. Konzentrate zum Anmischen sparen Verpackung
- Leere Flaschen nicht wegwerfen: Auch Nachfüllpacks sparen Ressourcen ein
- Auf universellen Einsatzzweck achten: Hochspezialisierte Reiniger sind nur eine gute Marketing-Idee und verstopfen den Putzschrank
- Inhaltsstoffe checken: Apps für nachhaltiges Shopping wie Codecheck helfen, umweltfreundliche Putzmittel zu erkennen
Alte Putzmittel entsorgen: bitte nicht in den Ausguss
Vielleicht sind Sie gerade dabei, Ihren Putzschrank beim Frühjahrsputz auszumisten, und stehen vor einigen Reinigern, die Sie nicht mehr benutzen möchten. Kommt Aufbrauchen für Sie nicht in Frage, ist eine richtige Entsorgung wichtig. Bitte gießen Sie niemals Putzmittel einfach so in den Ausguss. Reiniger gelten als Schadstoffe und so müssen sie auch entsorgt werden. Schauen Sie in Ihrer Stadt oder Gemeinde nach der örtlichen Schadstoffsammlung. In Frankfurt am Main kommt beispielsweise auch ein Schadstoffmobil regelmäßig in die Stadtteile.
Fazit: Weniger ist mehr
Sie haben Lust auf einen minimalistischen Putzschrank und mehr nachhaltige Putzmittel? Top! Alle herkömmlichen Reiniger lassen sich durch umweltfreundliche Alternativen und Hausmittel ersetzen. Und Sie werden für die Umstellung belohnt, versprochen. Denn weniger ist mehr: mehr Gesundheitsschutz, mehr Nachhaltigkeit. Zudem sparen Sie Verpackungen, Geld, aber auch Platz im Putzschrank. Und wenn es nicht gleich der große Rundumschlag sein kann – brauchen Sie einfach Stück für Stück alles auf und kaufen Sie es nicht wieder nach. Auch das ist Nachhaltigkeit. Sie wissen ja: Selbst ein Marathon beginnt mit dem ersten Schritt.














