„Pro Online-Suchanfrage werden ungefähr 0,2 Gramm CO2 verursacht.“
Die Autor*in
Jil Zitnik
Jil Zitnik
Schon als Kind war Jils große Leidenschaft die Literatur. Aus diesem Grund entschied sie sich nach ihrem Abitur Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt zu studieren. Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin bei der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH im Bereich Marketing tätig und schreibt für RECYCLIST. In ihrer Freizeit sitzt Jil häufig vor ihrem Laptop und verfasst Texte oder sie spaziert mit ihrem Hund durch Frankfurt und versucht währenddessen die Stadt weiterhin sauber zu halten.

Deutschland

Unsere Tipps für nachhaltigeres Surfen im Internet

Das Arbeiten im Homeoffice galt bis vor einigen Monaten als Ausnahme. Aufgrund der Corona-Pandemie änderte sich das schlagartig. Etwa 45 % aller Berufstätigen in Deutschland arbeiteten während der Pandemie ausschließlich oder teilweise von zu Hause aus. Auch Streamingdienste, Apps und andere digitale Tools erleben einen Höhepunkt. Wir fragen nach: Wie nachhaltig ist das für unsere Umwelt?

Bereits seit Jahrzehnten nimmt die Internetnutzung im beruflichen und privaten Kontext deutlich zu. Laut Bitkom arbeiteten zu Hochzeiten der Corona-Pandemie fast die Hälfte aller Deutschen von zu Hause aus. Während vor den Lockdowns zumindest die Freizeitaktivitäten einen weniger digitalen Charakter hatten, verlagerte sich auch dieses einst „analoge“ Verhalten drastisch in Richtung digitale Welt.

Laut einer Studie von Fina digital mit Teilnehmenden zwischen 16 und 40 Jahren schauten diese vor der Corona-Pandemie durchschnittlich zwischen 3 und 5 Stunden (25 % der Teilnehmenden) pro Woche Filme und Serien über Streamingdienste. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl an Haushalten mit mehr als 10 Stunden pro Woche Streamingnutzung rasant angestiegen. Ein Trend mit Folgen: nicht nur soziokulturell, sondern auch für unsere Umwelt.

Wie viel CO2 verursacht Surfen im Internet?

Bei der öffentlichen Debatte um den Klimawandel wird oft das Thema Fliegen kritisiert. Denn dabei gelangt ein großer Anteil an CO2-Emissionen in die Luft und schadet somit der Umwelt sowie uns Menschen. Ein Flug von Frankfurt am Main nach Mallorca verursacht pro Kopf beispielsweise 568 kg CO2. Eine ganze Menge, die bei einer so kurzen Flugzeit verbraucht wird! Wussten Sie aber, dass in Deutschland rund eine Milliarde E-Mails pro Tag verschickt und dabei ungefähr 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid verursacht werden? Das ist rund ein Gramm CO2 pro Mail. Im Vergleich mit dem Verbrauch an CO2 eines Fluges ist dieser Emissionswert hoch. Doch es gibt viele Tipps und Tricks, die Ihnen dabei helfen, auch im Internet nachhaltiger unterwegs zu sein.

Nachhaltige Suchmaschinen

Für eine Definition oder die Suche nach einer Begriffserklärung nehmen wir in der heutigen Zeit kein Lexikon zur Hand. Stattdessen entsperren wir unser Smartphone und klicken in der Suchmaschine an, was wir suchen. Innerhalb weniger Sekunden werden uns tausende Ergebnisse angezeigt. Dass dabei CO2 entsteht, ist vielen unbewusst. Pro Suchanfrage werden ungefähr 0,2 Gramm CO2 verursacht. Wird das auf die Millionen Suchanfragen am Tag hochgerechnet, wird deutlich, dass die Onlinesuche alles andere als nachhaltig ist.

Eine Alternative bietet „Ecosia“. Die Plattform bietet Ihnen dieselben Möglichkeiten wie beispielsweise Google, nur nachhaltiger. Für jede Suche wird ein Baum in ausgewählten Gebieten gepflanzt. Außerdem ist der CO2-Emissionswert pro Suche um einiges geringer. Mit Ecosia tragen Sie nicht nur dazu bei, Ihren eigenen digitalen Fußabdruck zu verringern, sondern unterstützen Projekte, die dabei helfen, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Das Magazin, das manchmal offline geht

Mit jedem Klick auf einer Website wird eine geringe Menge an CO2 verursacht. Das bedeutet: Je häufiger eine Internetseite aufgerufen wird, desto höher der Wert. Aufgrund des steigenden Bewusstseins für das Thema Nachhaltigkeit laufen viele Internetseiten schon über Server mit Ökostrom. Für die Betreiber*innen eines bestimmten Online-Magazins reicht das jedoch nicht aus. Sie setzen auf erneuerbare Energien und auf netzunabhängige Solarstromanlagen mit einem eigenen Energiespeicher. Ein Nachteil, wie manch eine*r nun denken wird: Das Magazin geht zu bestimmten Zeiten offline, dann können die Leser*innen nicht auf die Website zugreifen. In einem Zeitraum von zehn Monaten war das Magazin nach eigenen Angaben beispielsweise 6,4 Tage offline. Keine lange Zeit, die sich trotzdem positiv auf die Umwelt auswirkt.

Wenn Sie Betreiber*in einer eigenen Website sind, können Sie mit Hilfe des Website Carbon Calculators ganz einfach und ohne großen Aufwand herausfinden, wie viel CO2 Ihre Website verursacht. Der Wechsel zu Hosting-Services mit Ökostrom ist mittlerweile auch keine Seltenheit mehr.

Das faire Smartphone

Das eigene Smartphone ist kaum wegzudenken: Es spart uns viel Zeit (oder?), denn es dient gleichzeitig als Kommunikationsmittel, Terminplaner, Informationsquelle und Zeitvertreib. Mit einem Klick können wir vieles erledigen, doch unser treuer Begleiter ist alles andere als nachhaltig.

Für ein Smartphone geben die meisten viel Geld aus, ohne dies in Frage zu stellen. Dabei geht es leicht kaputt – und das auch noch geplantermaßen. Das nennt man Obsoleszenz und dient einzig und allein der Gewinnmaximierung der herstellenden Unternehmen. Zudem lässt es sich meist nicht ohne hohen Kostenaufwand reparieren, wenn überhaupt. Nur bei wenigen Anbieter*innen können Verbraucher*innen überhaupt nachvollziehen, wie nachhaltig es produziert wurde, aus welchen Ländern die Wertstoffe kommen und unter welchen Bedingungen innerhalb der Lieferkette das Smartphone letztendlich hergestellt wurde.

Eine Alternative zu den herkömmlichen Geräten sind faire Smartphones. Shiftphone ist ein hessisches Unternehmen, das Smartphones unter fairen und nachhaltigen Bedingungen produziert. Die Fabrik des Start-ups in China sieht aus wie ein Agenturbüro. Neben den menschenwürdigen Produktionsbedingungen ist ein Vorteil, dass Besitzer*innen eines Shiftphones die Teile selbst austauschen oder reparieren können. Das wiederum wirkt sich nicht nur positiv auf den Geldbeutel aus, sondern trägt zu einem längeren Produktlebenszyklus bei und wirkt so dem Klimawandel entgegen.

Nutzung von Streaming-Diensten

Dokumentationen, Filme, Serien und Musik sind mittlerweile zu jeder Zeit und an jedem Ort online abrufbar. Das herkömmliche Fernsehprogramm war gestern und spielt bei vielen jungen Menschen kaum noch eine Rolle. Dieser Trend hat jedoch einen Nachteil: Der hohe Datenspeicher- und Energieaufwand, der beim Streamen vorausgesetzt wird, ist im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehen ziemlich hoch. So entsteht eine große Menge an CO2-Emissionen. Das Streamen über diverse Plattformen sollte also gut überlegt werden. Vor allem auf Musikstreaming-Services sollten Lieder oder Alben heruntergeladen werden, um den Energieaufwand bei häufigem Wiederholen so gering wie möglich zu halten. Und auch Netflix und Co. sollte nicht einfach nur nebenbei laufen. Hier können Videos beispielsweise in niedrigerer Qualität angeschaut werden, das reduziert den Kohlenstoffdioxidverbrauch.

Entsorgung von Elektrogeräten

Das Kaufen neuer Geräte sollte gut überlegt werden. Funktionieren Smartphone oder Laptop nicht mehr und können nicht repariert werden, müssen sie fachgerecht entsorgt werden. Klar ist, dass ein elektronisches Gerät auf keinen Fall in den Hausmüll geworfen werden kann. Anlaufstellen dafür sind meist Entsorgungsunternehmen und deren Wertstoffhöfe. Vor Ort gibt es Spezialist*innen, die sich um die fachgerechte Entsorgung und das Recycling kümmern.

Wer sein Gerät repaieren lassen will, findet die passenden Angebote in unserem Artikel über Reparaturführer. Auch haben einige Entsorger wie FES Frankfurt innovative Angebote, um Altgeräte wiederzuverwenden.

CO2 sparen beim Surfen im Internet

Es ist von Vorteil, Ihre elektronischen Geräte bei Nichtbenutzung auszuschalten. So sparen Sie eine Menge Strom. Hilfreich ist auch, große Dateien über 1 Mb mit einem Download-Link zu verschicken. Eine große Datei zu versenden, verursacht deutlich mehr CO2 als ein Link, dessen Dateianhang sich die empfangende Person herunterladen kann. Hier gibt es verschiedene Anbieter*innen wie beispielsweise WeTransfer.

Unser Fazit

Schon Kleinigkeiten wirken sich positiv auf den Klimawandel aus. Grundsätzlich zählt: Sie können in der heutigen Zeit nicht auf das Internet verzichten und somit Ihren digitalen Fußabdruck auf null setzen. Doch Sie können das Internet bewusster nutzen, um so viel CO2 wie möglich zu sparen.

 

Quellen: