Mehr vegetarische Optionen und Essen in Mehrweg fördert die Nachhaltigkeit
In Kantinen und Restaurants werden oftmals viele Lebensmittel weggeworfen
„Vegetarische Optionen in Kantinen und Snackautomaten anzubieten sorgt nicht nur für weniger Emissionen und Ressourcenverbrauch, sondern auch für zufriedene Mitarbeitende.“
Die Autor*in
Flora Hochrein
Flora Hochrein
Als Frankfurterin lag Flora schon immer am Herzen ihre Stadt lebenswerter zu machen. Durch ehrenamtliches Engagement und den Aufbau von städtischen Abfallvermeidungs-Projekten für die FES, setzt sie dies in die Tat um.

Nachhaltigkeit

Was ist nachhaltige Mitarbeiter*innen-Verpflegung? Unsere Nachhaltigkeitstipps für Unternehmen

Nachhaltigkeit gewinnt in unserem Alltag an Bedeutung. Doch die meisten verbringen einen Großteil ihrer Zeit auf der Arbeit. Dadurch steigen auch die Anforderungen an Arbeitgeber*innen, Nachhaltigkeit im Unternehmen umzusetzen. In unserer Reihe stellen wir Ihnen verschiedene Bereiche vor, in denen Unternehmen nachhaltig handeln können. Wir haben die Mitarbeiter*innen-Verpflegung für Sie unter die Lupe genommen.

Viele Menschen versuchen umweltbewusster zu leben und Maßnahmen in ihren Alltag zu integrieren, die Ressourcen schonen, ihren CO2-Fußabdruck reduzieren und einen positiven Einfluss auf Arbeitsbedingungen in Schwellenländern haben. Auch vegane und vegetarische Ernährung wird immer populärer, was sich positiv auf den Klimaschutz auswirkt. Denn über 70 % des weltweiten Sojaanbaus fließen direkt in die Produktion von Tierfutter. Würde es stattdessen direkt zu Speisetofu verarbeitet werden, könnten damit weitaus mehr Menschen ernährt werden – von den Schäden für Natur und Klima durch Monokultur-Sojaplantagen einmal ganz abgesehen.

Der Trend geht neben einem gesteigerten Verbraucher*innenbewusstsein für Tierwohl hin zu mehr Saisonalität, Regionalität und der Vermeidung von unnötiger Verpackung. Dies erwarten immer mehr Angestellte auch von ihrem Unternehmen. Wer zuhause nachhaltig lebt, möchte das auch auf der Arbeit umsetzen können. Was also ist in puncto Verpflegung in der betriebseigenen Kantine zu tun?

Tipp 1: Mehrweg in der Kantine

Einweg-Verpackungen belasten durch das Abfallaufkommen und die benötigten Ressourcen für die Produktion die Umwelt. Zum einen bestehen sie oft aus Plastik, wofür in der Produktion viel Rohöl und Wasser benötigt werden. Zudem entstehen immense Emissionen in der Verarbeitung des Plastikgranulats. Dieses kommt oft aus China, auch wenn die Herstellung der Verpackung selbst dann in Deutschland erfolgt.

Zum anderen sind viele Artikel wie Kaffeebeecher to go aus einem Material-Mix, der schlecht zu recyceln ist und somit einen kurzen Lebenszyklus hat. Dieser treibt wiederum die CO2-Bilanz dieser Produkte in die Höhe. Auch Papierbecher sind innen meist beschichtet und damit schlecht zu recyceln.

In Kantinen, Kaffeeküchen und an Getränkeautomaten sollte daher Mehrweg-Geschirr angeboten werden. Es gibt mittlerweile viele Pfandsysteme, die einfach umsetzbare Lösungen für Unternehmen anbieten. Vor allem für To-go-Becher und Essen zum Mitnehmen. Die Kosten dieser Systeme sind meist gleich oder sogar günstiger als die Anschaffung von Einwegprodukten, wenn deren Lager- und Entsorgungskosten mitberechnet werden.

Tipp 2: Vegetarische Optionen

Mittlerweile ernähren sich rund 3,2 % der Deutschen vegan und um die 4,4 % vegetarisch – Tendenz steigend. Das sind immerhin 6,2 Millionen Menschen. Entsprechende Optionen in Kantinen und Snackautomaten anzubieten sorgt also nicht nur für weniger Emissionen und Ressourcenverbrauch, sondern auch für zufriedene Mitarbeiter*innen.

Doch selbst wenn es in ihrem Unternehmen nur wenige Vegetarier*innen geben sollte, sorgen fleischlose Gerichte für bedeutende Einsparungen von Ressourcen. Für ein Kilo Rindfleisch werden zum Beispiel 15.400 Liter Wasser, 6,7 Kilogramm Getreide und 38 Quadratmeter Nutzungsfläche benötigt, während 22 Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Initiativen wie „Klimagourmet“ in Frankfurt berechnen den CO2-Verbrauch pro Gericht und ermöglichen so einen Vergleich zwischen Angeboten. So kann jede*r Mitarbeiter*in selbst entscheiden, zu welchem Teller gegriffen wird, und Speisepläne können entsprechend geplant werden. Entsprechende kostenfreie Beratung für Kantinen bietet die Landesenergieagentur Hessen.

Tipp 3: Lebensmittelverschwendung reduzieren

Egal was angeboten wird, sei es vegan, vegetarisch oder mit Fleisch – die schlechteste Ökobilanz haben die Lebensmittel, die produziert und nicht verbraucht werden. So werden wertvolle Ressourcen für Anbau, Verpackung, Transport und Zubereitung verschwendet und das Abfallaufkommen steigt. Aus diesem Grund und weil es zahlreiche bedürftige Menschen gibt, die sich über kostenfreie Lebensmittel und Gerichte freuen, sollten diese Lebensmittelreste gespendet werden, anstatt sie zu entsorgen. Entweder können Mitarbeiter*innen sie direkt mitnehmen oder Sie geben sie an Organisationen, die diese umverteilen. Die Tafel meldet zum Beispiel 1,5 Millionen Nutzer*innen allein in Deutschland. Auch immer mehr Food-Startups wie das „Knärzje“ arbeiten mit Lebensmittelresten. Eine Lebensmittelspende trägt somit zur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung bei, während ein wichtiger sozialer Beitrag geleistet wird.

Sollte dies nicht möglich sein, kann man Speisereste von ReFood abholen lassen. Diese werden dann in einer Biogasanlage zu umweltfreundlicher Energie verwertet.

Tipp 4: Filter-Trinkwasser aus der Leitung

Das Anbieten von Trinkwasser ist für Arbeitgeber*innen in Deutschland nicht verpflichtend. Es sorgt jedoch für ein Arbeitsumfeld, in dem sich Mitarbeitende gut aufgehoben fühlen und produktiv sein können. Gerade in den Sommermonaten bei steigenden Temperaturen ist kostenfreies Wasser ein Muss und mittlerweile Standard in vielen Unternehmen. Doch auch hier können Arbeitgeber*innen umweltschonender und gleichzeitig kostenbewusst agieren als mit gekauften Glas- oder gar Plastikflaschen: Durch das Einbauen eines Filters an den Wasserleitungen in der Kaffeeküche kann Trinkwasser aus der Leitung genossen werden. Dies spart Platz für das Einlagern der Kanister und Flaschen, eliminiert Kosten für Lieferung und Entsorgung und reduziert Anschaffungskosten des Wassers. So ist Leitungswasser, selbst mit den Einbau- und Wartungskosten der Filter, langfristig um einiges günstiger als andere Optionen. Mittlerweile gibt es diese Filter sogar mit einem Sprudelwasser-Feature oder Geschmack.

Unser Fazit

Nicht jedes Unternehmen kann diese Nachhaltigkeitstipps gleichermaßen umsetzen. Doch auch kleine Veränderungen können einen bedeutsamen Einfluss haben, der unsere Umwelt schont und den Ansprüchen der Mitarbeitenden an ihre*n Arbeitgeber*in gerecht wird.