„50 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen gehen direkt oder indirekt auf die Gewinnung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen, Biomasse, Erzen und Mineralien zurück.“
Ressourcen schonen und zugleich das Klima schützen, Deutsches Institut für Urbanistik
Die Autor*in
Jil Zitnik
Jil Zitnik
Schon als Kind war Jils große Leidenschaft die Literatur. Aus diesem Grund entschied sie sich nach ihrem Abitur Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt zu studieren. Neben ihrem Studium ist sie als Werkstudentin bei der FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH im Bereich Marketing tätig und schreibt für RECYCLIST. In ihrer Freizeit sitzt Jil häufig vor ihrem Laptop und verfasst Texte oder sie spaziert mit ihrem Hund durch Frankfurt und versucht währenddessen die Stadt weiterhin sauber zu halten.

Zero Waste

Fünf (fast) plastikfreie Städte

Der neue Lebensstil „Zero Waste“, also keinen Müll zu verursachen, wird immer mehr zum Trend. Mittlerweile spielt dieser auch eine große Rolle bei einzelnen Städten, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Doch was steckt eigentlich hinter „Zero Waste“ und „Zero Waste Cities“?

Um zu verstehen, wo wir in puncto „Zero Waste“-Trend in Deutschland stehen, lohnt es sich, in unseren Städten auf Spurensuche zu gehen. Doch zunächst einmal: Was hat es mit dem Ziel der grünen „Null“ eigentlich auf sich?

Die „Zero Waste Cities“ orientieren sich an der sogenannten Abfallhierarachie. Sie setzen sich zum Ziel, das Abfallaufkommen zu reduzieren. Wo dies nicht möglich ist, sollen Abfälle als Rohstoffe wiederverwendet oder -verwertet werden.

„Earth Overshoot Day“ als Indikator

Bei „Zero Waste“ geht es also um die Reduktion aller Abfallarten. Das Deutsche Institut für Urbanistik (DIU) stellt in seinem Bericht „Ressourcen schonen und zugleich das Klima schützen – Beispiele aus der kommunalen Praxis“ fest, dass sich „der weltweite Primärmaterialeinsatz seit 1970 auf über 92 Milliarden Tonnen im Jahr 2017 mehr als verdreifacht“ hat, und bezieht sich dabei auf Angaben des United Nations Environment Programme.

Wir produzieren Müll, verschmutzen Wasser, Boden und Luft. Unser Konsum bedroht die Lebenswelt vieler Lebewesen und das Artensterben, der Rückgang unserer biologischen Vielfalt ist mittlerweile laut vieler Wissenschaftler*innen ein gravierenderes Problem als der Klimawandel. Was also können wir tun, um unseren ökologischen Rücksack zu erleichtern?

„Zero Waste Cities“-Initiative

Dank vieler Initiativen vollzieht sich gerade ein Wandel, bei dem sich alles um Müllvermeidung und Wiederverwendung dreht. So zum Beispiel in Brüssel: Dort wurde bereits im Jahr 2013 die „Zero Waste Cities“-Initiative ins Leben gerufen. DIhr Ziel ist es, Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt dabei zu unterstützen, weniger Müll zu produzieren. Hierbei wird vor allem auf die Vermeidung von Plastikmüll geachtet. Die „Zero Waste Cities“-Initiative hat mittlerweile 28 Mitglieder in 24 europäischen Ländern und knapp 400 europäische Gemeinden folgen der Bewegung.

Die erste „Zero Waste“-Gemeinde in Italien

Eine kleine Gemeinde in Italien machte sich 2007 auf zur ersten „Zero Waste City“. Innerhalb von knapp zehn Jahren hat es Capannori geschafft, den Abfall um bis zu 40 Prozent zu reduzieren. Der Restmüll pro Person konnte innerhalb von 5 Jahren um 57 Prozent verringert werden.

Die Stadt fördert öffentliche Trinkbrunnen, um dem Wasserverbrauch aus Plastikflaschen zu begegnen, bezuschusst Mehrwegwindeln, veranstaltet Bürger*innen-Wettbewerbe, führte Wiederverwertungsstationen ein, bei denen die Menschen Schuhe und andere Gebrauchsgegestände reparieren lassen können und mehr.

„Zero Waste“ in deutschen Städten

Auch in Deutschland legen immer mehr Städte Wert darauf, das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu rücken und ihre Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen. Dabei spielen vor allem Müll- bzw. Plastikverbrauch und Wiederverwendung eine große Rolle. Interessant ist, dass jede „Zero Waste“-Stadt ihren eigenen Weg geht und auf unterschiedliche Art und Weise das gleiche Ziel verfolgt.

Rostock wird plastikfrei – unsere zweite „Zero Waste City“

Die „Großmarkt Rostock GmbH“ ist eines der Gründungsunternehmen der deutschen Initiative „Plastikfreie Stadt“. Sie unterstützt Unternehmen dabei, so viel Plastik wie möglich einzusparen. Unternehmen können sich bei der Initiative bewerben und erhalten für drei Monate ein Siegel. In dieser Zeit muss das Unternehmen den eigenen Plastikverbrauch um mindestens zehn Prozent reduzieren. Dank dieser Initiative baut sich ein Kreislauf vieler und verschiedener Unternehmen auf, die alle dazu beitragen, den eigenen Plastikverbrauch einzusparen.

Warnemündes (fast) plastikfreier Fischmarkt

Auf dem Rostocker Fischmarkt in Warnemünde wird mittlerweile der Großteil der angebotenen Produkte nicht mehr in Plastik verpackt und verkauft. Doch dies stellte die Verkäufer des Fischmarktes zu Beginn vor eine große Herausforderung. Denn nicht alle Produkte konnten alternativ verpackt werden. Vor allem der Säuregehalt einiger Fischsorten oder anderer Lebensmittel machte den abbaubaren Maisstärketüten einen Strich durch die Rechnung. Plastikvermeidung versus Lebensmittelverschwendung also? Dieses Beispiel zeigt, dass die Suche nach Alternativen ein andauernder Prozess ist und es noch nicht für alles eine Lösung gibt.

Müllvermeidung in Tübingen – unsere dritte Vorreiterstadt

Die schöne Stadt im Schwabenländle hat(te) ein großes Müllproblem. Die Student*innen der Stadt essen meist außerhalb bzw. an öffentlichen Plätzen. Dadurch, dass sie ihren Müll in öffentlichen Mülleimern entsorgen, häuft sich der Müll an und kann nicht richtig getrennt werden.

Mithilfe von Unverpackt-Läden versucht die Stadt dagegenzusteuern. Interessant auch, dass die Student*innenstadt sich genau diese Ressource zu Nutze macht: „Ecocurious“ ist eine Community, die sich durch „Citizen Science“, also durch Forschung mit und durch Bürger*innen, in Do-it-yourself-Technologien versucht und als Open-Source-Projekt neue Lösungswege für Umweltprobleme entwickelt.

Zero Waste Hamburg e.V. – die Vierte an der Elbe

Der Verein „Zero Waste Hamburg e.V.“ und seine Mitglieder versuchen die Einwohner*innen Hamburgs so gut wie möglich über die Themen Nachhaltigkeit, Zero Waste, Müllvermeidung und -entsorgung sowie Wiederverwendung aufzuklären. In der Elbstadt lautet das Motto: Bildung fördern. Der Verein unterstützt unter anderem nachhaltige Projekte wie beispielsweise das Label „Einmal ohne, bitte“. Dabei handelt es sich um eine deutschlandweite Initiative, die Geschäfte erkennbar macht, deren Produkte ohne Verpackung – zum Beispiel durch selbst mitgebrachte Brotdosen – gekauft werden können.

Kiel ist unsere Nummer fünf – mit dem „Zero Waste“-Stammtisch

Der „Zero Waste Kiel e.V.“ ist eine anerkannte Umweltvereinigung. Auch hier gilt das Ziel: Je weniger Müll, desto besser! Um das zu erreichen, macht die Umweltvereinigung Einwohner*innen aus Kiel darauf aufmerksam, wie viel Müll durch unsere Gesellschaft entsteht. „Zero Waste Kiel“ informiert ebenso über Themen wie „Zero Waste“-Lifestyle, Abfallvermeidung im Unternehmen oder „Zero Waste“ in der Freizeit. Ein Großteil der Arbeit besteht darin, Menschen aufzuklären und Lösungen für eine saubere Stadt zu finden. Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen und Bewusstsein zu schaffen, veranstaltet der Verein einen Stammtisch, Events, Müllsammel-Aktionen, Infostände und mehr.

Unser Fazit

All diese Städte haben es geschafft, sich zu „Zero Waste“ zu bekennen. Das liegt allein daran, dass sie einfach anfangen. Sei es eine Initiative, die ins Leben gerufen wird, ein Verein, der gegründet wird oder das Unterstützen der Läden, in denen Produkte unverpackt angeboten werden. All diese Schritte tragen dazu bei, die Müllvermeidung in Städten, Unternehmen und sogar im privaten Bereich zu fördern und bewusster mit unseren Ressourcen umzugehen.

Wenn jede Stadt, jede Gemeinde, jedes Unternehmen und jede*r Bürger*in etwas weniger Müll verursacht, ist das in Summe ein großer Beitrag, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Eine gute Planung, Mut für „trial and error“ und transparente Kommunikation gegenüber allen Mitmachenden sind dabei sehr hilfreich.