Wiedererkennbare Aufkleber der Initiative Refill
„In Deutschland werden jährlich so viele Plastik-Einwegflaschen verbraucht, dass sie übereinandergestapelt fast 15 Mal von der Erde bis zum Mond reichen würden.“
Deutsche Umwelthilfe
Die Autor*in
Laura Dinges
Laura Dinges
Laura studiert Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt und arbeitet nebenbei bei der FES. Dort war sie bereits an dem Projekt des Reparaturführers beteiligt und schreibt nun auch Artikel für den Recyclist.

Deutschland

Refill it! – Plastikflaschen waren gestern

Einweg-Plastikflaschen sind nach wie vor ein großer Bestandteil unseres täglichen Konsums. Laut der deutschen Umwelthilfe sind Einwegflaschen aus Plastik mit einem Gesamtmarktanteil von 52,2 % das dominierende Packmittel von Getränken. In Deutschland werden jährlich so viele Einwegflaschen verbraucht, dass sie übereinandergestapelt fast 15 Mal von der Erde bis zum Mond reichen würden.

Jeden Tag werden mehr als 47 Millionen Plastikflaschen in Deutschland verbraucht. Dabei ist vor allem die Verwendung von Einwegflaschen eine unnötige Ressourcenverschwendung.

Ab 2022 gibt es durch die Novelle des Verpackungsgesetzes (wir berichteten) Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff, ab 2024 auch für Plastikflaschen mit Milchgetränken. Ab 2025 müssen PET-Einweg-Getränkeflaschen mindestens aus 25 Prozent Recycling-Plastik bestehen.

Dennoch: Aktuell gilt, dass 70 % der Einweg-Plastikflaschen in Deutschland aus Neumaterial hergestellt werden. Dafür wird umweltschädliches Rohöl benötigt. Wenn konsequent Mehrwegflaschen eingesetzt würden, könnten jährlich 480.000 Tonnen Rohöl und damit auch eine Menge Kohlenstoffdioxid eingespart werden.

Umweltbelastung durchs Trinken

Trinkwasser aus Einweg-Plastikflaschen verursacht doppelt so viel CO2 im Vergleich zu Getränken aus Mehrwegflaschen. Während Einwegflaschen aufgrund der großen Nachfrage in bundesweiten Supermärkten 450 Kilometer weit transportiert werden, liegt die zurückgelegte Strecke für Mehrwegflaschen im Schnitt nur bei 260 Kilometern, da diese mit dezentraler Lagerlogistik operieren.

Hinzu kommt, dass leider durch Vermüllung und achtlos weggeworfene Flaschen in Grünanlagen durch Verwitterung Mikroplastik entsteht, das die Umwelt belastet. Studien zufolge wird vermutet, dass Mikroplastik sogenannte „Umwelthormone“ freisetzt, die im Körper wie Hormone wirken, dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähnlich sind und teilweise zu Entwicklungsverzögerungen führen können.

Die Lösung: Initiative Refill

Um dem Verbrauch an Einweg-Plastikflaschen entgegenzuwirken, wurde 2017 in Hamburg die Initiative Refill ins Leben gerufen. Die Idee ist so simpel wie genial: Bundesweit füllen Läden oder Büros, die den „Refill“-Aufkleber angebracht haben, kostenloses Leitungswasser für Passant*innen in deren mitgebrachtes Trinkgefäß ab. Dadurch werden Ressourcen geschont, die Umwelt entlastet und Geld gespart. Es gibt bereits mehr als 5.585 Refill-Stationen und Trinkbrunnen in ganz Deutschland.

Zusätzlich fördert die Idee das Ins-Gespräch-Kommen. Wer selbst Refill-Station ist, weiß so manch lustige Geschichte zu erzählen. Denn kaum eine*r ist es gewohnt, dass plötzlich jemand mit einer leeren Trinkflasche vor der Bürotür steht.

Umweltschutz und Müllvermeidung

Durch die mitgebrachte Mehrwegflasche wird einerseits Plastik gespart. Außerdem wird durch Refill darauf aufmerksam gemacht, dass Wasser aus der Leitung (meistens) Trinkwasser ist – es ist in Deutschland oft schlichtweg unnötig, es abgepackt im Supermarkt zu kaufen. Ehrenamtliche Helfer*innen beteiligen sich engagiert an der Initiative, um den Plastikkonsum weiter einzuschränken und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie Plastik eingespart werden kann und warum der Verbrauch problematisch ist.

Somit kann inzwischen in jeder Stadt „gerefillt“ werden. In Frankfurt am Main zum Beispiel gibt es bereits über 50 Refill-Stationen. Jeder Laden, jedes Café und jedes Büro mit festen Öffnungszeiten kann ein Teil der Initiative werden. Um ein Teil der Aktion zu werden, finden Sie weitere Infos hier: www.refill-deutschland.de

Fazit

Da auch vermeintlich umweltfreundliche Einwegflaschen aus Recyclingmaterial die Umwelt belasten, ist es besser, direkt in eine persönliche Mehrwegflaschen zu investieren, die Sie gerne im Rucksack mitnehmen und gegebenenfalls die Refill-Stationen in ganz Deutschland nutzen können.

Mehr Ideen zu Abfallvermeidung und Aktionen finden Sie hier: www.recyclist-magazin.de/post/europaeische-woche-der-abfallvermeidung

Quellen: