Eine Variante der Taschen-Tausch-Station bestehend aus beliebig kombinierbaren Modulen.
Eine Variante der Taschen-Tausch-Station bestehend aus beliebig kombinierbaren Modulen.

Zero Waste

Kleine Station, große Idee: Wie ReUseMe Wiederverwendung sichtbar macht

Zuhause liegen Taschen herum, beim Einkauf fehlt trotzdem eine. ReUseMe setzt genau hier an: Mit den neuen Taschen-Tausch-Stationen können Menschen saubere Beutel abgeben oder kostenfrei mitnehmen. Aus dem erprobten Frankfurter Projekt wird nun eine Open-Source-Plattform, die Orte, Makerspaces und ReUse-Akteur*innen verbindet.

Fast jede*r kennt die Situation: Zuhause liegen Stoffbeutel, Einkaufstaschen und Papiertüten in Schubladen, Körben oder im Kofferraum. Beim spontanen Einkauf fehlt dann trotzdem oft genau eine Tasche. ReUseMe setzt an diesem Alltagsproblem an: Wer saubere Taschen übrig hat, legt sie in eine Taschen-Tausch-Station. Wer eine braucht, nimmt sich kostenlos eine mit.

Was klein klingt, ist ein konkreter Beitrag zu mehr Wiederverwendung. ReUseMe rettet nicht nur einzelne Taschen vor dem Müll oder dem Vergessenwerden im Schrank. Das Projekt macht ReUse im öffentlichen Raum sichtbar und leicht zugänglich.

Vom lokalen Projekt zur offenen Plattform

Die Taschen-Tausch-Stationen gibt es bereits seit einigen Jahren im Raum Frankfurt – ursprünglich als Idee von Frankfurter Gewerbetreibenden, die dem drohenden Plastiktütenverbot der Bundesregierung etwas entgegnen wollten, mit Unterstützung des lokalen Entsorgungsunternehmens FES. Läden, Bibliotheken, öffentliche Einrichtungen und engagierte Orte zeigen dort: Das Prinzip funktioniert. Menschen bringen Taschen mit, andere nehmen sie mit – ohne Anmeldung, App oder kompliziertes System.

Mit der Taschen-Tausch-Station 3.0 geht ReUseMe nun einen Schritt weiter. Aus der lokalen Idee entsteht eine offene Plattform, auf der Orte, Organisationen, Maker*innen und ReUse-Akteur*innen zusammenfinden. Stationen sollen überall dort entstehen, wo sie gebraucht werden: im Supermarkt, in der Bibliothek, im Stadtteilbüro, im Café, in der Schule, im Rathaus oder im Vereinsheim.

Die Station ist nicht als fertiges Produkt gedacht, das zentral verteilt wird. ReUseMe folgt einem Open-Source-Ansatz. Sie ist modular, 3D-druckbar und individualisierbar. Druckdateien, Bauanleitung, Gestaltungsmaterialien und Unterstützung werden über die Plattform bereitgestellt. So kann die Idee dezentral wachsen und an die Möglichkeiten vor Ort angepasst werden.


Eine Plattform, die Akteur*innen verbindet

Damit aus einer Idee viele Stationen werden, braucht es mehr als eine Bauanleitung. Es braucht Orte, die Platz schaffen, Menschen, die drucken können, Initiativen, die Wiederverwendung leben, und Nutzer*innen, die die Stationen im Alltag verwenden.

Genau hier setzt die ReUseMe-Plattform an: Sie macht Akteur*innen sichtbar und bringt sie miteinander in Kontakt. Wer eine Station aufstellen möchte, aber keinen 3D-Drucker hat, kann Maker*innen in der Nähe finden. Makerspaces, FabLabs und offene Werkstätten können Orte bei der Umsetzung unterstützen. Repair Cafés, Secondhand-Läden, Tauschbörsen, Bibliotheken oder Leihläden können Teil einer wachsenden ReUse-Landkarte werden. So entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk aus Menschen und Orten, die Wiederverwendung praktisch möglich machen.

Warum eigentlich Taschen?

Taschen zeigen gut, worauf es bei Wiederverwendung ankommt: Sie muss einfach sein. Viele Menschen besitzen mehr Taschen, als sie regelmäßig nutzen. Gleichzeitig gibt es im Alltag immer wieder Situationen, in denen eine Tasche fehlt. Die Station erklärt sich fast von selbst. Wer eine Tasche mitnimmt, nutzt etwas weiter, das bereits da ist. Wer eine Tasche abgibt, sorgt dafür, dass sie nicht ungenutzt liegen bleibt oder irgendwann im Müll landet.


Open Source als Einladung zum Mitmachen

Ein zentraler Gedanke hinter ReUseMe ist Offenheit. Die Station soll nicht nur nachgebaut, sondern weiterentwickelt werden können. Durch die modulare Bauweise lassen sich Stationen unterschiedlich groß planen, an Räume anpassen und mit vorhandenen Materialien kombinieren.

Für Maker*innen wird 3D-Druck hier zu einer konkreten Anwendung mit lokalem Nutzen. Aus einzelnen gedruckten Modulen entsteht eine kleine, sichtbare Infrastruktur für Ressourcenschutz. Gleichzeitig wird auch das Engagement der Beteiligten sichtbar – im Laden, in der Bibliothek oder im Quartier. Open Source bedeutet bei ReUseMe deshalb mehr als verfügbare Dateien. Die Idee gehört der Community. Jede neue Station, jede lokale Kooperation und jede Weiterentwicklung stärkt das gemeinsame Ziel.

Wie geht es weiter?

Damit die Plattform wachsen kann, sucht ReUseMe – als Initiative des Sozialunternehmens Lust auf besser leben – Menschen und Organisationen, die die Idee in ihre Stadt, ihren Stadtteil oder ihre Region tragen:

  • Orte, die Stationen aufstellen, etwa Läden, Bibliotheken, Kommunen, Schulen, Vereine, Unternehmen und Einrichtungen mit Publikumsverkehr.
  • Maker*innen, Makerspaces und FabLabs, die beim Drucken, Bauen und Weiterentwickeln unterstützen.
  • ReUse-Akteur*innen, die auf der Karte sichtbar werden und zeigen möchten, wo Wiederverwendung bereits gelebt wird.
  • Multiplikator*innen, die lokale Partner*innen ansprechen oder ReUseMe in Gewerbevereine, Stadtteilinitiativen, Bildungsorte, Nachhaltigkeitsnetzwerke und kommunale Strukturen bringen.

ReUseMe zeigt, dass Infrastruktur für Wiederverwendung nicht groß oder kompliziert sein muss. Die Wirkung entsteht, wenn Orte mitmachen, Maker*innen ihr Wissen einbringen, Kommunen und Initiativen die Idee verbreiten und Menschen die Stationen nutzen.

Hier geht's zur Projektwebsite:www.taschenstation.de

Weiterführende Links:

 

„What you do makes a difference, and you have to decide what kind of difference you want to make.“
Dr. Jane Goodall
Erstellt von
Lukas Glöckner
Lukas Glöckner
Lukas ist Mediengestalter und Kommunikationsmanager B.A. Er kommt aus dem Bereich "CSR" eines Familienunternehmens und arbeitet nun bei "Lust auf besser leben". Er ist im Herzen ein stets kreativer und besonnener Hands-on-Teamplayer - und schreibt für sein Leben gern. Am liebsten über neue Innovationsthemen, die er sich selbst "drauffschaffen" muss.
Eine Taschen-Tausch-Station steht auf der Ladentheke und lädt zum Ressourcenschonen ein
Eine bunte Taschen-Tausch-Station im Einzelhandel.
Auch im Hotel dient die Station Gästen als Helferlein für Umweltschutz
Eine Taschen-Tausch-Station mit Informationen in einer Hotellobby.
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