Klimawandel

Warum Schottergärten keine gute Idee sind

Ein kleines Rasenstück, darin ein buntes Blumenbeet und rundherum eine dichte grüne Hecke – so sahen noch vor ein paar Jahren unsere Vorgärten aus. Heute wirken dieselben Orte wie frisch dampfgestrahlt: Der Rasen wurde durch Schotter ersetzt, statt der Hecke begrenzen hohe Steinkörbe, sogenannte Gabionen, das Grundstück. Mit verheerenden ökologischen Folgen.

Ein kleines Rasenstück, darin ein buntes Blumenbeet und rundherum eine dichte grüne Hecke – so sahen noch vor ein paar Jahren unsere Vorgärten aus. Heute wirken dieselben Orte wie frisch dampfgestrahlt: Der Rasen wurde durch Schotter ersetzt, statt der Hecke begrenzen hohe Steinkörbe, sogenannte Gabionen, das Grundstück. Mit verheerenden ökologischen Folgen.

Der Hobbygärtner und Biologe Ulf Soltau nimmt es mit Humor. Seit über vier Jahren postet er in verschiedenen sozialen Netzwerken Bilder von „Gärten des Grauens“ – Kiesflächen und Steinhaufen in allen denkbaren Grautönen, die Menschen als „Garten“ angelegt haben. Die Bilder versieht er mit satirischen Kommentaren, die deutlich machen, was er davon hält. Was hier der Unterhaltung dient, hat einen ernsten Hintergrund. Wären graue Schottergärten nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, hätte Soltau sicher schon lange die Lust an der Dokumentation verloren. Doch der Trend ist ein echter (Stadt-)Klimakiller.

  • Während Pflanzengärten im Sommer kühlen, heizen sich Steinflächen schnell massiv auf und geben die Hitze an die Umgebung ab.
  • Pflanzen binden Luftschadstoffe, auf Steinen reichern sich Staub und Schadstoffe an.
  • In Schottergärten werden Flächen mit Unkrautvlies abgedichtet oder noch stärker versiegelt. Im Hinblick auf Starkregenereignisse eine kontraproduktive Maßnahme.
  • Keine Pflanzen bedeutet keine Insekten und damit keine Nahrung für Vögel und andere Wildtiere, aber auch perspektivisch keine bestäubten Nutzpflanzen.
  • Schottergärten sind keineswegs pflegeleicht – Steine müssen von Laub und Moos befreit werden, und wo sich doch mal ein Pflänzchen zeigt, wird es häufig mit Pestiziden traktiert. Laubsauger und Dampfgeräte sind nicht nur durch ihren Stromverbrauch im Vorgarten ökologisch unsinnig.
  • Steine verstärken Lärm, anstatt ihn – wie Pflanzen – zu dämmen.
  • Auch die Entsorgung der Steine ist schwierig – die abgetragene Mischung aus Folie, Erde und Stein ist Baumischabfall, der kaum recycelt werden kann.


Schottergärten sind verboten

Wie viele Kommunen sieht auch die Stadt Frankfurt am Main die Schottergärten kritisch. Im Herbst 2021 wurden die Regeln für private Grünflächen verschärft – künftig soll es dort keinen Kies oder Beton mehr geben, so will es die neue Freiraumsatzung. Eigentlich ist das ohnehin schon so vorgesehen, auch die Hessische Bauordnung verweist auf wasserdurchlässige Grundstücksflächen. Ungeachtet dessen ist es gar nicht so leicht, Hauseigentümer zum Umdenken zu bewegen – trotz hoher Strafandrohungen. Vielleicht hilft da die langjährige Erfahrung mit den vermeintlich unkomplizierten, cleanen Flächen. Moos, Schmutz und Blätter beeinträchtigen das beabsichtigte Design und machen die Pflege immer aufwändiger.

Grüner ist besser

Ein naturnaher Garten, der standortgerecht geplant wird, ist am Ende pflegeleichter als ein Schottergarten – ökologischer ohnehin. Hier kann Wasser versickern, insektenfreundliche Blüten helfen beim Erhalt der Artenvielfalt. Mit Hilfe einer Beratung im Gartenmarkt lassen sich genügsame Pflanzen finden, die heiße Sommer überstehen, ohne dass man ständig gießen muss. Offene Blütenkelche, heimische Pflanzen und ein Garten, der größeren wie kleineren Wildtieren Unterschlupf, Schutz und Nahrung bietet, sind der Schlüssel für eine lebendige und diverse Natur, die am Ende auf vielfältige Weise auch dem Menschen nutzt.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, doch für eine nachhaltige Zukunft zu streiten lohnt sich immer. Das ist auch die Sicht von Ulf Soltau, der mit seinen „Gärten des Grauens“ zum Umdenken anregt.

Weitere Infos:


Schottergärten im Visier, eine arte-Doku (30 Min.)

Ulf Soltau im Gespräch beim rbb

Schritt für Schritt zum Naturgarten (Special des NABU)

„Ein naturnaher Garten, der standortgerecht geplant wird, ist pflegeleichter als ein Schottergarten – ökologischer ohnehin.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.
Ordentlich, aber ökologisch tot: Gabionen haben die Hecken verdrängt