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„Ohne Sand kein Beton. Doch so merkwürdig es klingt – Sand wird knapp. Exzessiver Sandabbau an Küsten und Flussufern verursacht schwere ökologische Schäden.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.

Glossar

Die Rohstoffmine von nebenan – was ist eigentlich Urban Mining?

Viele der Rohstoffe, die wir dringend benötigen, werden knapp. Eine Lösung: Wir verwenden einfach die Ressourcen, die längst abgebaut und schon einmal verwendet wurden – und das im großen Stil. So wird die Stadt zum Rohstofflager und die Gewinnung von wichtigen Materialien zum "Urban Mining".

Begriffe, die mit "Urban" beginnen, klingen immer ein bisschen wie ein cooler Trend junger Städter. "Urban Gardening" etwa, die Idee vom gemeinschaftlichen Gärtnern in der Stadt oder "Urban Exploring", spannende Entdeckungstouren in unbekannten Ecken. Bei "Urban Mining" verhält es sich etwas anders. Denn dabei handelt es sich um einen Fachbegriff, der weltweit von Experten verwendet wird. Hinter der "städtischen Rohstoffnutzung" steckt der Gedanke, dass die meisten der verbauten Rohstoffe wiederverwendet werden können und sollten.

Begrenzt wie Sand am Meer

Experten schätzen, dass etwa 40% der globalen Ressourcen beim Bauen eingesetzt werden. Dabei geht es nicht etwa nur um Metalle wie das allgegenwärtige Kupfer, sondern auch um Kalk, Schiefer, Ton, Kies und Sand. Gerade die Nachfrage nach den beiden letzteren hat sich in 20 Jahren verdreifacht, wie eine UN-Studie berichtet. Dafür verantwortlich ist ein globaler Bauboom und der Trend zum Leben in Städten. Ohne Sand kein Beton. Doch so merkwürdig es vielleicht klingt – Sand wird knapp. Exzessiver Sandabbau an Küsten und Flussufern verursacht schwere ökologische Schäden, doch nur diese Art Sand ist zur Weiterverarbeitung geeignet. Wüstensand ist zu fein und zu rund, um daraus Produkte für die Bauindustrie erstellen zu können. Wie ernst Sandknappheit zu nehmen ist, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass für den Bau eines einzigen Einfamilienhauses etwa 200 Tonnen Sand benötigt werden.

Recycling ist Pflicht

Umso wichtiger ist das Thema Recycling beim Rückbau von Gebäuden. Der Weg dorthin beginnt heute bereits beim Produktdesign. So muss klar sein, dass verbaute Produkte recycelbar und trennbar sind, das Kreislaufwirtschaftsgesetz und seine Abfallhierarchie geben den Weg vor. Urban Mining funktioniert also im großen Stil genauso wie die private Mülltrennung in der eigenen Küche. Doch nicht nur nachhaltiges Denken und Rohstoffknappheit führen zu immer mehr Recycling in der Stadt. Es ist schlichtweg auch einfach wirtschaftlicher, das wiederzuverwenden, was bereits abgebaut wurde und vor Ort vorliegt. Insbesondere bei Metallen findet oft kein Downcycling statt, Stahl und Aluminium lassen sich etwa beliebig oft ohne Qualitätsverlust wiederverwenden. An anderer Stelle ist die Innovationskraft von Unternehmen gefragt – professionelles Recycling von Bauschutt zu neuen Ziegeln oder Recyclingbeton wird immer ausgefeilter und besser. So können Länder, die ursprünglich arm an Primärrohstoffen sind, mit Urban Mining auf einen großen Ressourcenreichtum blicken – eben durch die sogenannten Sekundärrohstoffe, die zum Wiedereinsatz zur Verfügung stehen.

Im erweiterten Sinn beschreibt Urban Mining übrigens nicht nur die Rohstoffgewinnung aus Gebäuden, sondern auch das Recycling von anderen städtischen Strukturen wie Fahrzeuge, U-Bahnen, Brücken und jegliche verbaute Elektronik. Was auch immer in der Stadt nicht mehr als Ganzes gebraucht wird – seine Teile sind wertvoll und werden mit Urban Mining auf die ein oder andere Art in Zukunft nutzbar.