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Was ist nachhaltiger – Holzspielzeug oder Spielzeug aus recyceltem Plastik?

Wer heute gutes Spielzeug kaufen möchte, muss viel bedenken. Im Idealfall ist es pädagogisch wertvoll, macht dem Kind über eine längere Zeit Freude und ist dabei in jeder Hinsicht sicher. Als Magazin für Nachhaltigkeit möchten wir einen weiteren Aspekt beleuchten: Wie nachhaltig ist es? Ist Holz recyceltem Plastik überlegen? Worauf sollte man beim Einkauf achten?

In unserem Vergleich schauen wir uns Holzspielzeug und solches aus recyceltem Plastik einmal genauer an. Recycelt deshalb, weil es leicht nachvollziehbar ist, dass Plastikspielzeug in der Ökobilanz nicht gut abschneidet. Laut einer japanischen Studie aus dem Jahr 2025 könnte der Ersatz von Spielzeugautos aus (neuem) Kunststoff durch Spielzeugautos aus Holz die CO2-Emissionen pro Spielzeugauto um 77 % reduzieren. Wenn Plastik aber sinnvoll aufbereitet und wiederverwertet wird, sieht die Sache möglicherweise anders aus.

Holzspielzeug: der ästhetische Klassiker

Seit vielen Jahren gilt Holzspielzeug als ökologisches Spielzeug – viele Eltern, die auf Umweltfreundlichkeit Wert legen, greifen gern zu den bewährten Bauklötzchen, Autos, Schienensystemen oder anderen modularen Spielzeugen aus Holz. Holzprodukte haben viele Vorteile:

  • Sie sind ästhetisch (vor allem in den Augen Erwachsener)
  • Sie sind robust und langlebig
  • Als Geschenk signalisieren sie Hochwertigkeit und Verantwortungsbewusstsein

Diese Punkte gehen in der Regel mit einem höheren Anschaffungspreis einher.
Aber wie ist es um die Nachhaltigkeit im Detail bestellt?

1. Ressourceneinsatz: Auf die Herkunft kommt es an

Holz ist ein erneuerbarer Rohstoff, das macht ihn Kunststoffen in vielen Umweltkriterien überlegen. Wie nachhaltig es jedoch wirklich ist, hängt von der Herkunft des Holzes ab. Siegel wie FSC und PEFC deuten in die richtige Richtung. Heimische Hölzer wie Buche oder Ahorn lassen darauf hoffen, dass die Transportwege kurz sind, was sich auf den Ressourcenverbrauch auswirkt.

2. Materialien: Holz ist nicht gleich Holz

Holzspielzeug sollte man sorgfältig inspizieren. Sperrholzteile könnten Formaldehyd ausströmen. Sie sind nicht nur wenig nachhaltig, sondern auch gesundheitsschädlich. Bei lackiertem Holz sollten Sie auf der Verpackung einen Hinweis auf die Speichelfestigkeit und Unschädlichkeit der Lacke finden. So können Sie sicher sein, dass sich keine Schadstoffe aus dem Lack lösen. Keinesfalls darf die Holzperle oder das Klötzchen im Zusammenhang mit Feuchtigkeit abfärben. Unbehandeltes Voll- und Massivholz ist lackiertem Holz in jedem Fall vorzuziehen, vorausgesetzt, es ist vollkommen glatt und splitterfrei. Die Verpackung soll bei der Bewertung der Materialien nicht vergessen werden – Holzspielzeug, das in einer Holzkiste oder einem Baumwollsäckchen verkauft wird, sammelt Pluspunkte gegenüber einer Verpackung mit Plastikeinlage und mehreren kleinen Plastiktütchen, wie sie bei Kunststoffspielzeug oft anzutreffen ist.

3. Langlebigkeit: Holz hält etwas aus

Die oben genannte Studie berechnet eine Lebensdauer von 7,29 Jahren bei Holzspielzeug gegenüber 6,17 Jahren bei Kunststoffspielzeug. Das mag kein großer Unterschied sein – und doch zeigt die Erfahrung, dass Holzteile bruch- und kratzfester sind, eher die Form behalten und unempfindlicher sind, wenn zum Beispiel versehentlich draufgetreten wird, sie mit Schwung in der Spielzeugkiste landen oder bei einem „Verkehrsunfall“ aufeinanderprallen. Das hat auch damit zu tun, dass Holzspielzeug oft weniger Kleinteile enthält und sich auf die groben Formen beschränkt.

4. Recycling: Wiederverwendung gut möglich

Naturbelassenes Holzspielzeug ist biologisch abbaubar, was bedeutet, dass sich die Produkte auf natürliche Weise zersetzen können. Kleine Teile, die keine anderen Materialien enthalten, dürfen damit sogar auf den Kompost. Größere können bei den Wertstoffhöfen abgegeben werden. Lackiertes Spielzeug oder solches mit Metallteilen gehört in die Restmülltonne, es lässt sich energetisch sehr gut verwerten. Aufgrund seiner Langlebigkeit und Formbeständigkeit eignet sich Holzspielzeug aber auch besonders gut zur Weitergabe und kann ganzen Generationen von Kindern Spaß machen, ohne dass das Material sich grundlegend verändert. Damit punktet Holzspielzeug gegenüber Kunststoff besonders.

Spielzeug aus recyceltem Plastik: ein Schritt in die richtige Richtung

Kunststoff ist aus der Spielzeugwelt kaum wegzudenken. Er ist abwaschbar, robust und übersteht Tauchgänge im Planschbecken problemlos. Doch der Ressourcenverbrauch und die Umweltprobleme von Neuplastik als Erdölprodukt sind nicht zu ignorieren. Deshalb wird recycelter Kunststoff hier immer wichtiger. Ein Hinweis vielleicht noch vorweg: Viele Spielzeuge werden in China produziert und über Online-Marktplätze in die EU gebracht – häufig mit unklarer Dokumentation. Das europäische Warnsystem „Safety Gate“ registriert immer wieder Spielzeug, das nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht, unter anderem wegen fragwürdiger Substanzen im Kunststoff. Bei billigem Spielzeug, das über das Internet gekauft wird, ist in jedem Fall Vorsicht geboten, auch wenn „Made from recycled plastic“ o. Ä. auf der Verpackung stehen sollte.

1. Ressourceneinsatz: Auf den Anteil kommt es an

Kunststoffe haben grundsätzlich eine ungünstigere Ökobilanz als Holz, da sie aus Erdöl gewonnen und in der Regel energieintensiv hergestellt werden. Wird jedoch sogenanntes Post-Consumer-Plastic (z. B. PET-Flaschen) zu neuem Spielzeug verarbeitet, sinkt der Rohstoffverbrauch deutlich. Auch die CO2-Emissionen können je nach Recyclingprozess erheblich reduziert werden. Dabei ist entscheidend, wie hoch der Rezyklatanteil tatsächlich ausfällt – viele Produkte werben mit „recyceltem Kunststoff“, enthalten aber nur geringe Mengen davon. Ein Rezyklatanteil von über 70 % ist ein guter Richtwert.

Ein weiterer Faktor: Die Qualität des Rezyklats. Mechanisch recycelte Kunststoffe schneiden in der Ökobilanz besser ab als chemisch recycelte, da letztere viel Energie benötigen. Angaben wie „Ocean Plastic“, „PCR-Plastik“ oder „Recyceltes PET“ helfen bei der Orientierung.

2. Materialien: Am besten eine „Sorte“ Kunststoff

Beim Kauf sollte man nicht nur auf den Recyclinganteil achten, sondern auch darauf, welcher Kunststoff verwendet wurde. Spielzeuge, die vollständig aus einem einzigen Kunststoff bestehen (z. B. aus PET), können später leichter erneut recycelt werden. Teile aus mehreren Kunststoffarten und fest verbundenen anderen Materialien erschweren das Recycling. Wichtig zu wissen: Rezyklate können Schadstoffrückstände enthalten. Auch hier hilft der Hinweis auf die EN-71-Normen, die bekannten Siegel oder Testergebnisse. Achten Sie außerdem auf Hinweise wie „phthalatfrei“, die angeben, dass keine Weichmacher im Spielzeug enthalten sind. Weichmacher können sich mit der Zeit durch Kauen, Speichelkontakt, Hautkontakt oder Abrieb lösen. Einige Phthalate stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und gesundheitliche Risiken zu verursachen. PVC-Produkte sind hier besonders kritisch zu sehen.

3. Langlebigkeit: Gut mit Einschränkungen

Recyceltes Kunststoffspielzeug ist eine gute Wahl für den Garten, den Sandkasten oder die Badewanne. Doch im Vergleich mit Holz verliert Kunststoff bei grober Behandlung schneller die Form, bleicht aus oder zerkratzt. Je stabiler und robuster das Produkt, desto länger kann es genutzt und weitergegeben werden. Gut verarbeitetes recyceltes Kunststoffspielzeug hält in der Praxis oft viele Jahre durch – insbesondere, wenn es aus dicken, massiven Kunststoffteilen besteht.

4. Recycling: Der Kreislauf kann funktionieren

Recycelter Kunststoff kann am Ende seiner Lebensdauer grundsätzlich wieder recycelt werden. Damit das gelingt, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Das Spielzeug besteht möglichst aus einem einzigen Kunststoff und es enthält keine fest verbauten Fremdmaterialien wie Metallachsen, Elektronik oder Textilaufdrucke. Ist das der Fall, kann das Spielzeug als sortenreiner Kunststoff in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden und wird später zu Verpackungen, Behältern oder erneut zu Spielzeug verarbeitet. Problematisch wird es, wenn Kunststoffe gemischt oder beschichtet sind – dann bleibt oft nur die energetische Verwertung. Immer wieder gibt es übrigens spannende Projekte, die ein Spielzeug-Rücknahmesystem installieren, etwa das PlayBack-Projekt von HolyPoly und Mattel. Doch von einem langfristigen und flächendeckenden Zero-Waste-Konzept ist die Spielzeug-Branche leider noch ein gutes Stück entfernt.

Fazit – was ist nachhaltiger: Holzspielzeug oder Spielzeug aus recyceltem Kunststoff?

Nachhaltigkeit bei Spielzeug entsteht nicht allein durch das Material, sondern durch das Zusammenspiel von Herkunft, Produktion, Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit. Sowohl bei Holzspielzeug als auch bei solchem aus recyceltem Plastik sind Transparenz und Qualität entlang des gesamten Lebenszyklus entscheidend. Stammt das Holzspielzeug wirklich aus nachhaltiger Forstwirtschaft und heimischen Wäldern, liegt es in der Ökobilanz leicht vorn. Doch auch recycelter Kunststoff kann eine gute Wahl sein, insbesondere, wenn es um Spielzeug geht, das wasserfest und abwaschbar sein soll. Wichtig ist dabei, dass es keine Weichmacher enthält und aus einem einzigen Kunststoff besteht. So ist gewährleistet, dass es ungiftig ist und sich erneut recyceln lässt, wenn seine Lebenszeit einmal endet.

Unsere Tipps für den Kauf von nachhaltigem Spielzeug aus Holz und recyceltem Plastik:

  • Schauen Sie bei Spielzeug grundsätzlich auf die Herkunft – das Land der Produktion gibt Aufschluss über wichtige Transportwege und die Ökobilanz.
  • Lässt sich das Spielzeug recyceln? Dazu sollte es aus einem Grundstoff bestehen bzw. sich zerlegen lassen (z. B. Holzauto und Achse aus Metall).
  • Umweltsiegel (z. B. Blauer Engel) stehen für Sicherheit in Bezug auf Umweltgifte, aber auch für eine nachhaltige Produktion.
  • Ein Siegel wie das der Fair Toys Organisation könnte in Zukunft für mehr Transparenz sorgen, hilft derzeit aber noch nur begrenzt weiter.
  • Modulare Serien, bei denen immer neue Teile dazugekauft werden können, garantieren einen längeren Spielspaß und damit mehr Nachhaltigkeit.
  • Achten Sie bei Kunststoffen auf die Angabe „phthalatfrei“, um sicherzugehen, dass das Spielzeug keine schädlichen Weichmacher enthält.
  • Holzspielzeug sollte Angaben zur Norm-Reihe DIN EN 71 enthalten, die etwas über die Sicherheit aussagen.
  • Spielzeug, das stark riecht (z. B. nach Lack, Klebstoff oder Kunststoff), ist nie eine gute Wahl.
  • Ganz gleich, ob Holzspielzeug oder recycelter Kunststoff: Achten Sie darauf, dass es eine nachhaltige Verpackung hat – das gilt auch für Ihr Geschenkpapier.
  • Kinderflohmärkte bieten eine große Auswahl an gut erhaltenem Spielzeug. Wiederverwendung statt Neukauf ist immer die nachhaltigste Variante (nicht nur, wenn es um Spielzeug geht.) Achten Sie jedoch auch hier auf die genannten Kriterien und die eingeprägten Angaben im Kunststoff, um PVC mit Weichmachern zu vermeiden.
Vor allem elastischer Kunststoff enthält oft gefährliche Weichmacher
„Sowohl bei Holzspielzeug als auch bei solchem aus recyceltem Plastik sind Transparenz und Qualität entlang des gesamten Lebenszyklus entscheidend.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.