„Leider ist der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Grillkohle nicht empfehlenswert. Tatsächlich stammt sie oft aus zweifelhaften Quellen und illegalem Holzabbau.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.

Umwelt

Was ist umweltfreundlicher – Holzkohle- oder Elektrogrill?

Ein kühles Getränk in der Hand, den Duft von Gegrilltem in der Nase – Grillabende machen den Sommer erst richtig perfekt. Doch welche Methode ist eigentlich nachhaltiger? Wir haben die beliebtesten Varianten Holzkohle- und Elektrogrill einmal miteinander verglichen.

Vielleicht noch ein paar Worte vorab: Bei unserem Vergleich haben wir fast alle Aspekte außen vor gelassen, die keinen Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Grillmethoden haben. Es ist sicher allen klar, dass ein Elektrogrill sich nicht ohne Weiteres fernab von Steckdosen benutzen lässt, wohingegen bei Holzkohle in der Anheizphase deutlich mehr Geduld gefragt ist. Uns interessiert nur: Mit welcher Methode nimmt man mehr Rücksicht auf die Umwelt? Wir starten mit dem Ökoprofil des Holzkohlegrills.

Holzkohlegrill – der Knackpunkt ist die Kohle

Der Grill:

Ein Einweggrill aus Aluminium gehört fraglos aus vielen Gründen zu den umweltschädlichsten Grilltools. Er sollte in keinem Fall benutzt werden, zumal die mitgelieferte Kohle und der Anzünder oft minderwertig sind und durch ihre Schadstoffe sowohl einen Angriff auf die Umwelt wie auch auf die Gesundheit bedeuten. Ein hochwertiger Holzkohlegrill hingegen hat eine lange Lebensdauer. Kugelgrills sind aus Umweltsicht zu bevorzugen – sie nutzen Hitze besonders effizient und durch die reflektierende Kugel auch indirekt. Unter dem geschlossenen Deckel lässt es sich zudem besonders schadstoffarm grillen, es gelangt weniger Feinstaub in die Außenluft.

Der Heizvorgang:

Kohle ist nicht gleich Kohle. Doch leider ist der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Grillkohle nicht empfehlenswert. Sie stammt aus Schwellen- und Entwicklungsländern und nicht selten aus illegalem Holzabbau. Selbst das Label „Made in Germany“ schützt nicht vor Kohle aus zweifelhaften Quellen, häufig wird Kohle aus Osteuropa und Tropenwäldern mit geringen Mengen Kohle aus deutscher Herkunft gemischt, um diesen Aufdruck verwenden zu können. Die Marktanalyse Grillkohle des WWF zeigt: Von zehn Produkten, die Informationen zu den Holzarten aufzeigten, waren sechs mangelhaft oder falsch. Besonders ärgerlich: Auch Tropenholzprodukte können das FSC-Siegel tragen. Hier könnte sich also jede*r fragen, ob das eigene Grillvergnügen wirklich zu Abholzung und Artensterben beitragen soll. Sinnvolle Alternativen sind etwa zertifizierte Bio-Kohle oder Kohleprodukte aus Bambus. Sie sind aber im Handel nicht ohne Weiteres zu bekommen.

Das Grillen:

Viele Grillanzünder enthalten Paraffin oder Kerosin, also Produkte aus nicht erneuerbaren Ressourcen, die obendrein unangenehm riechen und gesundheitsschädlich sein können. Nachhaltige Alternativen sind Anzünder aus Holzwolle oder Holzspänen, Anzündwolle oder pflanzliche Flüssiganzünder. Bei allen Produkten aus Holz sollten Sie wieder auf das Öko-Siegel achten. Wird beim Grillen mit Holzkohle keine Abtropfschale benutzt, können sich durch herabtropfendes Fett krebserzeugende Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bilden – sie binden sich an Rußpartikel und lagern sich anschließend im Grillgut ab. Das ist zwar nicht unbedingt umwelt-, aber zumindest gesundheitsrelevant.

Der Elektrogrill – wie viel macht der Stromverbrauch aus?

Der Grill:

Ein Elektrogrill ist in der Herstellung aufwendiger als ein Holzkohlegrill. Für seine Elektronik werden zahlreiche wichtige Rohstoffe benötigt, wenn auch in kleinen Mengen. Wichtig ist es auch hier, zu einem qualitativ hochwertigen Gerät zu greifen, bei dem man mit einer langen Lebensdauer und gegebenenfalls einer Reparaturfähigkeit rechnen kann.

Der Heizvorgang:

Es versteht sich eigentlich von selbst – wenn Strom verbraucht wird, sollte es Ökostrom sein. Das wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus. Der TÜV Rheinland kam in einer im Jahr 2011 durchgeführten Studie allerdings zu einem verblüffenden Ergebnis: Die CO2-Bilanz unterscheidet sich bei den unterschiedlichen Grillmethoden nur wenig. Der Elektrogrill kann hier kaum Vorteile ausspielen.

Das Grillen:

Ein Grillanzünder entfällt beim Elektrogrill natürlich komplett. Per Regler lässt sich die Hitze punktgenau einstellen, es verpufft kaum Energie, mit dem Grillen kann sofort begonnen werden. Schädliche PAKs (siehe Holzkohlegrill) können sich hier nicht bilden, abtropfendes Fett landet in der Abtropfschale und kühlt schnell ab. Es entsteht keine Asche, die separat entsorgt werden müsste (Restmüll), auch die Luft bleibt frei von Aschestaub.

And the winner is ...

In unserem Umweltcheck kommt der Elektrogrill als knapper Sieger ans Ziel. Das liegt vor allem daran, dass nachhaltige Kohle vergleichsweise selten zum Einsatz kommt. Zum Grillen mit Holzkohle werden mit Anzünder und Kohle (jeweils inklusive Verpackung) Verbrauchsmaterialien genutzt, die beim Elektrogrill entfallen. Was das reine Grillen betrifft, sind Holzkohle- und Elektrogrill in Sachen CO2 offenbar näher beieinander, als man denken könnte. Wer wirklich umweltfreundlich grillen möchte, sollte vor allem auf das Grillgut achten. Hier lässt sich wirklich etwas fürs Klima tun! Gemüse und vegane Produkte sind erheblich nachhaltiger als Fleisch und Käse. Und: Verzichten Sie unbedingt auf die gewohnte Alufolie, die nicht nur sehr energieaufwendig, sondern auch umweltbelastend hergestellt wird. Ihre Grillkartoffel wird auch in einem Grillkorb wunderbar lecker!