Zero Waste

Von der Schale bis zum Krotzen – Zero Waste Cooking

Wir alle produzieren Müll, manche mehr und andere weniger. Das Konzept „Zero Waste Cooking“ sieht vor, dass Reste von Lebensmitteln nicht weggeworfen, sondern bis zum letzten Krümel verwendet werden. Das sorgt erstens für weniger Müll, zweitens kann so auf Dauer Geld gespart werden – und drittens wird bewusster eingekauft, oder?

Lebensmittelreste, wie Obst- und Gemüseschalen oder -kerne, scheinen zunächst nicht verwendbar zu sein und werden deshalb meist entsorgt. Allerdings kann die Kartoffelschale zum Beispiel zu leckeren Chips verarbeitet werden. Dafür wird die Schale einfach gründlich gewaschen und im Backofen gebacken. Aus Kernen und Schalen von Obst lässt sich beispielsweise ein Früchtetee aufkochen. Auch der Strunk einer Frühlingszwiebel muss nicht weggeworfen werden. Stattdessen wächst er – in ein Wasserglas gestellt – zu einer neuen Frühlingszwiebel heran. Das nennt sich „Regrowing“ und funktioniert mit einigen Sorten. Utopia hat Tipps zusammengestellt.

Eine andere Möglichkeit der Resteverwertung bieten Nagetiere. Wer einen Hamster oder andere Nager als Haustiere hat, kann ihnen vom Karottengrün bis zu Radieschenabfällen so einiges verfüttern. Es gibt also tatsächlich viele Möglichkeiten, Reste zu verwerten.

Kompostieren statt wegwerfen

Die Reste, für die entweder keine Verwertung mehr gefunden wird oder die bereits schimmelig sind, lassen sich kompostieren. Wer beispielsweise einen Garten pflegt, kann selbst einen Komposthaufen ansetzen und nach dem Kompostierprozess den Dünger verwenden. Sogar auf einem Balkon kann mithilfe einer selbst gebauten Wurmkiste (DIY mit Smarticular.net) für neuen Dünger gesorgt werden. Dadurch schließt sich der Kreislauf der Natur, denn diese kennt keinen Müll. Gerade Würmer sind wichtige Nützlinge, die bei der Wiederverwertung helfen. Es gibt inzwischen verschiedene kleinere Kompostiersets zu kaufen, die auch auf dem Balkon genutzt werden können.

Einkäufe besser planen

Viele Lebensmittel verschimmeln, weil sie für ein bestimmtes Rezept gekauft wurden und dann nicht mehr so schnell benötigt werden. Um dagegen vorzugehen, sind Wochenpläne für das Essen hilfreich. An welchem Tag kocht man was? Was muss eingekauft werden? Am besten wird so geplant, dass nichts weggeschmissen werden muss. Entweder findet man Rezepte, für die ähnliche Zutaten verwendet werden können, oder man kocht von einem Rezept die doppelte Menge und friert ein – oder teilt mit Arbeitskolleg*innen oder der Nachbarschaft. Durch das Einfrieren wird der Reifungsprozess gestoppt, einige Lebensmittel können auch ganz klassisch eingeweckt werden – erinnern sich einige an das leckere Weck-Obst von früher?

Zero-Waste-Kochideen

Die Idee des „Zero Waste Cooking“ geht noch weiter. Wir haben Tipps und Anregungen, wie Reste mithilfe von leckeren Rezepten verwendet werden können:

  • Gemüsereste eignen sich für Gemüsebrühe. Einfach sämtliche Reste, Schalen und Blätter zur Brühe geben und köcheln lassen. Vorher natürlich gründlich waschen.
  • Aus sehr reifem Obst kann Marmelade gekocht werden, um das Verschimmeln zu vermeiden. Braune Bananen, die man eventuell nicht mehr so essen möchte, lassen sich hervorragend zu einem Bananenmilchshake oder Bananenbrot verarbeiten. Die überreifen Bananen sind sehr süß und eignen sich daher besonders gut.
  • Auch Brotreste lassen sich gut verwerten. Dazu gibt es auch ein Kochbuch von Tanja Huck. In ihrem Buch „Unser (vor)tägliches Brot“ (wir berichteten darüber) gibt sie tolle Rezepte weiter, für die Brot benötigt wird, das schon etwas härter und nicht mehr ganz frisch ist.
  • Auch zum Trend Zero Waste Cooking lassen sich ganz viele Kochbücher mit verschiedensten Rezepten finden. Beispiel für ein Kochbuch ist „Zero Waste Küche" von Sophia Hoffmann.

Das Konzept Zero Waste Cooking ist eine gute Möglichkeit, Müll zu vermeiden, Kosten zu sparen und gleichzeitig ein erweitertes Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln zu entwickeln. Wenn man sich erst einmal mit dem Thema auseinandersetzt, fallen einem viele weitere Ideen ein, für die Essensreste noch brauchbar sind. Unsere Umwelt dankt es uns, wenn wir alle weniger Müll produzieren und mit unseren Lebensmitteln noch bewusster umgehen.

Quellen:

„Reste wie Kartoffelschalen und Obstkerne eignen sich für Chips, aus Kernen kann Früchtetee gekocht werden.“
Die Autor*in
Laura Dinges
Laura Dinges
Laura studiert Germanistik an der Goethe Universität in Frankfurt und arbeitet nebenbei bei der FES. Dort war sie bereits an dem Projekt des Reparaturführers beteiligt und schreibt nun auch Artikel für den Recyclist.