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Was ist eigentlich ... Grauwasser?

Was aus unseren Leitungen kommt, ist üblicherweise reines und klares Wasser. Das kann also kein „Grauwasser“ sein. Handelt es sich also einfach um Abwasser? Nicht ganz. Grauwasser liegt genau dazwischen. Es ist zu schmutzig, um als Trinkwasser geeignet zu sein, aber es lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand wieder nutzen.

Tag für Tag fällt in Privathaushalten Wasser an, das kaum verschmutzt ist. Für die tägliche Dusche wird zum Beispiel eine Menge Wasser eingesetzt, das nur ein wenig Duschzusatz enthält, wenn es wieder abfließt. Wir spülen unsere Hände nur mal schnell ab – und jedes Mal rauscht Frischwasser in das Waschbecken, das damit zu Grauwasser wird. Laut fbr, dem Bundesverband für Betriebs- und Regenwasser e.V. können so pro Kopf schon mal 55 Liter täglich zusammenkommen. Liter um Liter rinnt in den Abfluss, um am Ende gemeinsam mit dem stark verschmutzten Abwasser aus Toiletten aufwendig gereinigt und geklärt zu werden. Letzteres wird als Schwarzwasser bezeichnet, was seinen Verschmutzungsgrad auch begrifflich gut einfängt.

Wofür kann Grauwasser nützlich sein?

Grauwasser ist somit nicht nur ein Begriff, sondern im Grunde auch ein Konzept. Es beinhaltet die Idee, verschmutztes Wasser nach Verschmutzungsgrad zu unterscheiden. Camper*innen ist das durchaus vertraut. Viele Wohnmobile haben einen Grauwassertank, in dem mäßig verschmutztes Wasser gesammelt wird. Ganz korrekt ist die Verwendung des Wortes hier jedoch nicht. Laut der Europäischen Norm 12056-1 gehört Wasser aus Küchen wegen der Belastung mit Fetten streng genommen nicht zum Grauwasser.

Doch wozu nutzt die Unterscheidung der Abwässer, wenn am Ende doch alles gemeinsam in der Kläranlage landet? Das muss es nicht! Für Haushalte, aber auch für Industrieanlagen gibt es durchaus die Möglichkeit, Grauwasser separat aufzufangen, es zu sogenanntem Betriebswasser aufzubereiten, um es dann etwa für die Toilettenspülung oder die Gartenbewässerung einzusetzen. In einer Grauwassernutzungsanlage wird das Wasser dafür biologisch gereinigt und gefiltert.

Warum ist Grauwasseraufbereitung sinnvoll?

Es ist kaum zu verstehen, warum wir noch immer wertvolles Trinkwasser durch die Rohre jagen, um Fäkalien hinwegzuspülen oder den Rhododendron zu erfreuen. Durch die Verwendung von Grauwasser können die wertvollen Grundwasserressourcen geschont werden, angesichts langer Trockenperioden vor dem Hintergrund des Klimawandels ein großer Pluspunkt. Die Grauwasseraufbereitung sorgt für neue, unabhängige Kreisläufe und stellt Wasserrecycling auf eine breitere Basis. Grauwasserrecycling mit Hilfe von neuen Sanitärsystemen und moderner Umwelttechnik könnte also künftig gängiger Bestandteil nachhaltigen Bauens sein.

Übrigens: Weißwasser gibt es auch. Damit ist aber nicht etwa sauberes Trinkwasser gemeint, sondern besonders nährstoff- und sedimentreiches Flusswasser.

 

„Es ist kaum zu verstehen, warum wir noch immer wertvolles Trinkwasser durch die Rohre jagen, um Fäkalien hinwegzuspülen oder den Rhododendron zu erfreuen.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.