Klimawandel

Hundefutter aus Insekten – ein Interview mit dem Gründer von „Ofrieda“

Die Haltung von Haustieren steht im Verdacht, eine Umweltsünde zu sein – zumal, wenn diese für ihre artgerechte Ernährung Fleisch benötigen. Nicht nur, dass Tiere damit leicht zu Nahrungskonkurrenten des Menschen werden: Auch der CO2-Fußabdruck des vierbeinigen Hausbewohners ist beträchtlich. Doch was ist die Alternative? Felix Bierholz, Gründer des Hundefutterherstellers Ofrieda hatte da eine Idee.

Wussten Sie, was „Entomophagie“ ist? So nennt sich in wissenschaftlicher Terminologie das, was Tausende von Hunden in Deutschland tun: Sie (fr)essen Insekten. Schuld daran ist unter anderem Felix Bierholz, der 2017 das Start-up Ofrieda gründete. Seine Mission: ein zeitgemäßes und nachhaltiges Ernährungsangebot für Hunde zu schaffen. Inspiriert von einem chinesischen Gaststudenten hatte sich Felix zuvor intensiv mit Insekten und ihrem Nährstoffreichtum beschäftigt. Als Nichte Frieda geboren wurde, war der Name für das frischgebackene Unternehmen gefunden. Schließlich lohnt es sich, im Hinblick auf die nächste Generation an nachhaltigen Ideen zu arbeiten.
Die Produkte von Ofrieda beruhen auf den Larven von Hermetia illucens, der Schwarzen Soldatenfliege. Sie ersetzen in den Kroketten, den Dosenmischungen und Leckerchen den Fleischanteil, der sonst meist aus Rind, Lamm, Wild oder Fisch besteht. Damit gehen erhebliche Einsparungen an Ressourcen einher, wie Felix uns im Interview berichtete. Ein einleuchtendes Argument, weshalb immer mehr Hersteller mit einzelnen insektenbasierten Produkten experimentieren. Ofrieda ist aktuell die einzige deutsche Marke, die konsequent und ausschließlich auf Insekten als Proteinquelle setzt. Grund genug, um Felix einmal näher zu befragen. Was hat es auf sich mit „Hermetia illucens“? Ist es wirklich so einfach, einen Hund mit Insekten zu ernähren?

Die wichtigste Frage zuerst: Warum ist euer Futter nachhaltig?
Mit den Larven der Soldatenfliegen nutzen wir eine alternative Proteinquelle, die deutlich ressourcenschonender ist als die üblichen Quellen, etwa Rindfleisch. Im Vergleich liegen die Vorteile auf der Hand. Der essbare Anteil eines Insekts ist doppelt so hoch wie der eines Rindes. Dabei liegt der Proteingehalt des Insekts 10 % höher. Aufgrund ihrer Größe benötigen die Insekten natürlich viel weniger Platz als andere Nutztiere, wobei der Futterbedarf von Rindern viermal höher ist als der von Insekten. Ein Rind erzeugt 100-mal mehr CO2 als ein Insekt. Und: Bei einer Fütterung mit 250 g unseres Trockenfutters spart man im Vergleich zu einer fleischhaltigen Fütterung bis zu sechs Badewannen Wasser ein. Wenn man sich dann vergegenwärtigt, dass ein mittelgroßer Hund 164 Kilogramm Fleisch im Jahr frisst, wird klar, dass ein alternatives Futter einen deutlichen Unterschied macht. Dabei sind wir noch gar nicht bei der Belastung von Mensch und Umwelt durch Antibiotika oder andere Medikamente, die bei den Insektenlarven entfallen. Oder dem Thema Gülle und anderen kritischen Punkten, die mit der üblichen Massentierhaltung einhergehen.

Weniger Fleisch essen – für Menschen ist das möglich. Aber wie geht das für Hunde, die in der Regel auf tierische Proteine angewiesen sind?
Wir hören manchmal, dass Insekten nicht „artgerecht“ seien, weil sie der Hund in der Natur nicht jagt, zumindest nicht als „Hauptmahlzeit“. Stimmt, es wäre einfach viel zu aufwendig, Insekten zur Deckung des Bedarfs zu jagen. Das sagt aber noch lange nichts über Insektenprotein aus. Es hat ein hervorragendes Nährstoff- und Aminosäurenprofil mit allen essenziellen Aminosäuren, wie wir das von Fleisch oder Fisch kennen. In anderen Kulturen werden ganz selbstverständlich Insekten verspeist, so wie wir auch Garnelen essen und nichts dabei finden. Gerade weil tierische Proteine für Hunde wichtig sind, ist insektenbasiertes Futter eine so gute Alternative. Im Übrigen wäre es im Sinne der Nachhaltigkeit bereits hilfreich, wenn man nur einmal in der Woche auf das übliche Fleischfutter verzichten würde.

Gibt es schon Studien, die sich mit insektenbasiertem Tierfutter beschäftigen?
Ja, die gibt es und die Ergebnisse sind positiv. Wir verweisen gern auf eine aktuelle Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die insektenbasiertes Futter mit einem Futter aus Hühnerfleisch verglichen hat. Hier schneiden die Insekten sogar teilweise besser ab, zum Beispiel, was den „Output“ betrifft.

Stammt euer Futter eigentlich von „glücklichen Insekten“?
Zunächst einmal ist die Soldatenfliege ein Tier, das keine großen Ansprüche an seine Umwelt hat. Was immer sie braucht, bekommt sie – zum Beispiel die richtige Temperatur und ein pflanzliches Futter aus Weizenkleie und Roggenschrot, bei dem sie gedeihen kann. Unsere Insekten werden in ausgewählten Farmen in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Frankreich gezüchtet. Wir haben uns dort persönlich vor Ort von den guten Haltungsbedingungen überzeugt. Das Interessante dabei ist: Während Säugetiere unter der extremen Massentierhaltung leiden, fühlt sich die Hermetia erst dann richtig wohl, wenn sehr viele ihrer Art beieinander sind. Sie lebt also von Natur aus in „Massen“, was eine artgerechte Haltung vereinfacht. Davon abgesehen fehlt ihr die bewusste Wahrnehmung, in der „glücklich“ eine Kategorie wäre – auf ihr Wohlergehen wird aber definitiv geachtet.

Können alle Hunde mit eurem Futter ernährt werden?
Ja! Wir haben ein breites Sortiment, sowohl Trocken- als auch Nassfutter in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Für besonders sensible Hunde mit Unverträglichkeiten bieten wir auch eine „Reinfleischdose“ an, die mit selbstgekochten Zutaten ergänzt werden kann, die der Hund garantiert verträgt. So kann man mit dem hochwertigen, gut verträglichen Futter auf alle Bedürfnisse reagieren. Und natürlich wird es auch von gesunden Hunden jeder Größe und jeden Alters gern gefressen. Vom Chihuahua bis zum Irischen Wolfshund ist es für jeden geeignet.

Wir hätten trotzdem noch einen Verbesserungswunsch bei eurem Nassfutter – die Verpackung.
Lassen sich die Dosen in Zukunft ersetzen?
Auch wir sind mit den Dosen noch nicht so richtig zufrieden. Doch das Futter wird ja in der Dose gegart, so dass es gar nicht so leicht ist, hier eine gute Alternative zu finden. Auf jeden Fall wird es in Zukunft auch größere Dosen geben, die Abfall reduzieren helfen. Wir arbeiten weiter dran!

Felix Bierholz, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Setzt auf nachhaltiges Hundefutter aus Insekten: Felix Bierholz von Ofrieda.
„Wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein mittelgroßer Hund 164 Kilogramm Fleisch im Jahr frisst, wird klar, dass ein alternatives Futter einen deutlichen Unterschied macht.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.