Glossar

Was ist eigentlich … Verbundstoff?

Verbundstoffe gehören zu unserem Alltag. Sie stehen morgens auf dem Frühstückstisch, begegnen uns im Badezimmer oder in der Arzneimittel-Schublade. Aber was macht Verpackungen aus mehreren fest miteinander verbundenen Materialien für Hersteller so beliebt? Aus Umweltsicht handelt es sich nämlich keineswegs um eine glorreiche Erfindung. Aber der Reihe nach …

Was sind typische Beispiele für Verbundstoffe?

Das am häufigsten genannte Beispiel für einen Verbundstoff ist der Getränkekarton. Er besteht meist aus sechs Schichten, die sich aus drei Materialien zusammensetzen: Polyethylen, Alufolie und Papier. Damit entstehen die gewünschten Eigenschaften wie hohe Stabilität, Barrierewirkung gegen Licht und Sauerstoff, Dichte in Bezug auf Flüssigkeiten, Lebensmittelsicherheit und Bedruckbarkeit. Für einen Verbundstoff gilt, dass die Materialien fest miteinander verklebt sein müssen und dass es nicht einen dominanten Stoff gibt. Ein Marmeladenglas mit einem aufgeklebten Etikett wäre etwa kein Verbund, da das Glas mehr als 95 % des Materials ausmacht, das Papier ist hier auch leicht ablösbar. Neben Getränkekartons sind Arzneimittelblister typische Verbundstoffe (Kunststoff und Aluminium), ebenso wie Butterverpackungen (Aluminium und Papier) oder beschichtetes Geschenkpapier (Kunststoff und Papier). Verbundstoffe sind übrigens etwas anderes als Verbundwerkstoffe, auch wenn das Prinzip ein ähnliches ist. Auch hier sind mindestens zwei Materialien untrennbar miteinander verbunden. Typische Beispiele für Verbundwerkstoffe wären etwa Stahlbeton oder carbonverstärkte Straßenbeläge.

Was sind die Vorteile von Verbundstoffen?

In einem Materialmix lassen sich – wie oben beim Getränkekarton beschrieben – unterschiedliche Eigenschaften miteinander kombinieren. Das Butterpapier ist zugleich stabil, leicht, bedruckbar und fettundurchlässig. Stabilität, gute Design- und Transporteigenschaften spielen gleichermaßen eine Rolle. Durch das Hinzufügen eines Materials lässt sich mehr von einem anderen einsparen. Tabletten bleiben im Blister vor Feuchtigkeit, Bruch und Abrieb geschützt, aber sie lassen sich im Alltag trotzdem leicht und ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen entnehmen. Dies ist zum Beispiel im Hinblick auf motorisch eingeschränkte Personen ein wichtiger Aspekt.

Wo liegen die Nachteile bei Verbundstoffen?

Ganz gleich, ob es um Materialmix in der Textilindustrie oder bei Verpackungen geht – es ist immer dasselbe: Werden unterschiedliche Materialien miteinander vermischt, verwoben oder verklebt, wird ihr Recycling unmöglich gemacht oder zumindest erschwert. Für Verbraucher*innen verkompliziert sich zudem die Abfalltrennung. Denn die Namen der Produkte können in die Irre führen – weder der GetränkeKARTON noch das kunststoffbeschichtete GeschenkPAPIER sollten in der Papiertonne landen.

Wie entsorgt man Verbundstoffe richtig?

Hier kann man sich eher an der Silbe „-stoff“ orientieren, Kunststoffe und Verbundstoffe sollten in der Regel in der gleichen Tonne landen – es sei denn es geht um Komponenten wie Holz oder Gummi. In diesem Fall wäre die Restmülltonne der richtige Ort. Achten Sie beim Wegwerfen grundsätzlich darauf, unterschiedliche Materialien zu trennen, wo immer es möglich ist. Der Aluminiumdeckel des Joghurtbechers sollte also vom Kunststoffbecher gelöst werden.

Verbundstoffe und Recycling – eine umweltfreundliche Lösung?

Insbesondere um den Getränkekarton, das beliebteste Alltagsprodukt aus Verbundstoff, rankt sich eine kontroverse Diskussion. Hersteller von Verbundverpackungen wie Tetra Pak®️ verweisen darauf, dass die Komponenten bereits recycelt wurden, also etwa ein hoher Anteil Altpapier für den Kartonanteil verwendet wird. Zudem heißt es, dass die Kunststoff- oder Aluminiumanteile immer weiter reduziert werden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Getränkekartons noch nicht überall auf der Welt problemlos recycelt werden können. Die Deutsche Umwelthilfe sieht diese Art der Getränkeverpackung äußerst kritisch. In ihrem lesenswerten „Mythenpapier Getränkekartons“ aus dem Jahr 2022 kommt sie zu dem Schluss: „Getränkekartons sind nicht ökologisch vorteilhaft.“ Die neue EU-Richtlinie, die dafür sorgen soll, dass Plastikverschlüsse fest mit der Verpackung verbunden bleiben müssen, um Umweltschäden zu vermeiden, ändert daran wenig. Ein Wikipedia-Artikel liefert einen guten Überblick über die kontroverse Umweltschutz-Diskussion bei Getränkekartons.

Was können Verbraucher*innen tun?

Weniger ist mehr. Das gilt für Verpackungen prinzipiell, aber auch für die Materialien, aus denen sie bestehen. Denn Produkte, die im Wesentlichen aus einem Material hergestellt wurden, lassen sich problemloser wiederverwenden oder recyceln. So schneiden Pfandflaschen von regionalen Marken, die also auf kurzen Wegen in den Handel kommen, in der Ökobilanz deutlich besser ab als Getränkekartons. Selbst für typische Karton-Produkte wie Hafermilch gibt es inzwischen Alternativen in Glasflaschen oder zum Selbstanmischen. Achten Sie bei Geschenkpapier darauf, dass es keine Beschichtungen, Glitzer oder Metallic-Oberflächen hat. Und sollten sich Verbundstoffe nicht vermeiden lassen (wie bei Arzneimittelblistern), entsorgen Sie die leeren Verpackungen immer in der Verpackungstonne oder dem Gelben Sack.

Kunststoff und Alu – untrennbar verbunden: Blisterverpackungen sind typische Verbundstoffe.
„Werden unterschiedliche Materialien miteinander vermischt, verwoben oder verklebt, wird ihr Recycling unmöglich gemacht oder zumindest erschwert.“
Die Autor*in
Heidi Schmitt
Heidi Schmitt
Egal, ob mit ihrem italienischen Hund Panini oder als leidenschaftliche Läuferin: Heidi ist fast immer zu Fuß unterwegs. Die wilde Vermüllung von Grünflächen in ihrer Wahlheimat Frankfurt macht ihr dabei sehr zu schaffen. Mit alltäglichen Clean-up-Aktionen und der Tastatur hält die Bloggerin und Autorin dagegen. Ihr besonderes Interesse gilt außerdem innovativen Recyclingmethoden und verstecktem Elektroschrott in Dingen des Alltags.